Über Psychiatriekritik

  1. Ich bezweifele1)Den Begriff des „Bezweifelns“ habe ich bewusst gewählt. Ich bestreite die Existenz psychisch Kranker nicht und halte sie auch nicht für widerlegt. Vielmehr konnte ich trotz aufmerksamer, sich über Jahrzehnte erstreckender Suche noch keine zweifelsfreien Belege für deren Existenz finden. Zwar kenne ich Menschen, die als psychisch krank bezeichnet werden. Aber in keinem Fall konnte die entsprechende Diagnose durch objektive Methoden erhärtet werden. Meine Zweifel wurden bisher also noch nicht zerstreut. Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass derartige Diagnosen auf Mutmaßung beruhen. Sie werden aus Autoritätshörigkeit oder schierer Gedankenlosigkeit akzeptiert. die Existenz psychisch Kranker.
    Dies bezieht sich allerdings nur auf den medizinischen Begriff der psychischen Krankheit. Im metaphorischen Sinn kann man nach Belieben jemanden als psychisch krank bezeichnen, wenn er beispielsweise Gartenzwerge sammelt oder seinen Urlaub auf Mallorca verbringt. Medizinisch betrachtet aber beruht eine Krankheit auf einem pathologischen körperlichen Prozess, der die Symptome, die Beschwerden des Erkrankten verursacht.3)Siehe meinen Artikel: Die Psychiatrie ist zum Beweis verpflichtet
    Wären also unerwünschte Phänomene des Verhaltens und Erlebens ursächlich mit körperlichen Störungen verbunden, dann würde es sich eben nicht um eine psychische, sondern um eine physische Erkrankung handeln. Daher kann es, aus logischen Gründen, keine psychisch Kranken im medizinischen Sinne geben.
    Diese Schlussfolgerung ist aus meiner Sicht zwingend; ich habe sie von dem amerikanischen Psychiater Thomas Szasz übernommen. Sie ist das Leitmotiv seiner zahlreichen psychiatriekritischen Werke. Allerdings setzt sie voraus, dass Krankheit immer als ein körperliches Geschehen aufzufassen ist.
  2. Selbstverständlich bestreite ich nicht, dass unser Nervensystem im Allgemeinen und unser Gehirn im Besonderen an den Verhaltensweisen und Erlebnisformen beteiligt ist, die von der Psychiatrie als Ausdruck einer psychischen Krankheit gedeutet werden. Daraus folgt aber nicht, dass ein pathologischer Prozess im Nervensystem die Ursache störenden Verhaltens und Erlebens sein muss.
    Denn auch Verhaltensweisen und Erlebnisformen, die man als gesund oder normal einstuft, beruhen auf Vorgängen im Nervensystem.
    Bei den so genannten psychischen Krankheiten kann es sich durchaus um extreme Reaktionen eines intakten Gehirns auf widrige bzw. als widrig empfundene Umstände handeln. In diesem Falle könnte man im Sinne des obigen Verständnisses nicht von einer Krankheit sprechen, da die Störungen des Verhaltens und Erlebens sich zwar unter Beteiligung des Nervensystems entfalten, aber nicht durch dieses verursacht werden.
  3. Wenn man einen Menschen als psychisch krank bezeichnet, so nimmt man eine Wertung seines Verhaltens vor. Man kann sich dabei nicht auf Fakten stützen. Ein schlagendes Beispiel dafür ist die Homosexualität. Diese wurde noch vor einigen Jahrzehnten von der Psychiatrie als Krankheit, als Perversion eingestuft. Dies ruft heute nur noch Kopfschütteln hervor. Der Grund dafür ist offensichtlich. Die Wertmaßstäbe haben sich verändert.2)Siehe meinen Artikel: Psychiatrische Diagnosen und subjektive Bewertungen
  4. Gern räume ich ein, dass man dieser Überlegung nicht folgen muss. Sie ist nicht zwingend. Man kann durchaus argumentieren, dass, auch medizinisch betrachtet, Menschen ohne körperlichen Befund krank sein könnten. Zwar verwendet man dann einen Krankheitsbegriff, der ebenso vage ist wie sein Bezugspunkt, die „Psyche“. Aber man könnte sich ja auf den Standpunkt stellen, dass dies nun einmal die Natur der Dinge sei. Die Erkrankungen der Seele seien wissenschaftlich nur schwer auf den Begriff zu bringen, aber deswegen dürfe man sie dennoch nicht ignorieren.
    Doch selbst wenn man einem solchen psychologischen Krankheitsbegriff folgt, ist man nicht von der Pflicht entbunden, reliable und valide Diagnosen zu verwenden. Dies ist nicht etwa nur eine Forderung der Wissenschaft. Auch die Praxis muss sie erfüllen, wenn sie überprüfbar und nachvollziehbar sein will.4)Siehe meinen Artikel: Die Suche nach Kriterien der Validität psychiatrischer Diagnosen 
    Reliabel ist ein diagnostisches Verfahren, wenn unterschiedliche Diagnostiker hinsichtlich eines Diagnostizierten unabhängig voneinander zu demselben Resultat kommen. Und valide ist diagnostisches Verfahren, wenn die subjektive Einstufung des Diagnostikers mit einem objektiv messbaren Kriterium des Pathologischen in der Realität übereinstimmt.
    Tatsache ist, dass zwei Diagnostiker häufig nicht hinsichtlich einer Person zu derselben Diagnose gelangen und dass bisher noch keine ursächlichen Zusammenhänge zwischen den subjektiven Einstufungen und objektiven Faktoren (wie beispielsweise Hirnprozessen oder sozialen Hintergründen) identifiziert werden konnten.
    Selbst also wenn man von der Existenz psychisch Kranker überzeugt ist, führt eine Diagnostik auf dieser Grundlage zu einer Vielzahl von falsch negativen und falsch positiven Einstufungen, und dies mit mathematischer Unerbittlichkeit, weil Trefferquote und Validität linear zusammenhängen.5)Siehe meine Artikel: Die Psychiatrie ist zum Beweis verpflichtet / Mathematik der psychiatrischen Diagnostik
  5. Gegenwärtig ist die angebliche physische Basis der „psychischen Krankheiten“ noch unbekannt. Seit rund 150 Jahren versucht die Forschung, diese zu ergründen, bisher allerdings vergeblich.
    Man kann natürlich einräumen, dass unbestritten die körperlichen Grundlagen der so genannten psychischen Krankheiten noch weitgehend unerforscht seien, zugleich aber unterstellen, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis diese enthüllt sein werden. Es sei wohl richtig, dass nicht die Psyche, sondern das Gehirn erkrankt sei. Aber der Begriff der „psychischen Krankheiten“ habe sich nun einmal eingebürgert.
    Aus der Tatsache, dass wir die biologischen Fundamente psychischer Krankheiten noch nicht kennten, dürfe nicht geschlossen werden, dass sie nicht existieren. Ärzte könnten schließlich nicht warten, bis ihr Wissen über Krankheiten vollkommen sei, da die Kranken hier und heute litten und einer Behandlung bedürften, so unvollkommen und ungewiss diese immer auch sein möge.6)Siehe meinen Artikel: Das psychiatrische Paradigma: Die Mutmaßung
  6. Doch selbst unter der Voraussetzung, dass es mutmaßlich psychisch Kranke in diesem Sinne gibt, könnte dennoch nicht behauptet werden, dass mit den psychiatrischen Behandlungen psychische Krankheiten geheilt oder gelindert würden, weil nämlich mit den üblichen diagnostischen Verfahren nicht zwischen „psychisch Kranken“ und „psychisch Gesunden“ unterschieden werden kann.
    Es mag zwar sein, dass Psychotherapien, Medikamente, Elektroschocks oder was auch immer Auswirkungen auf die Behandelten haben, dass sich ihr Verhalten also ändert (und sei es nur in Folge eines Placebo-Effekts) – aber man kann nicht unterstellen, dass es sich bei dieser Veränderung um eine Bewegung vom Kranken zum Gesunden handele. Für eine derartige Veränderungsmessung fehlen naturwissenschaftlich fundierte Instrumente.
    Wie die Schönheit liegt die Heilung des „psychisch Kranken“ im Auge des Betrachters. Und nicht selten haben hier Patienten und Ärzte eine unterschiedliche Sicht. Mitunter werden auch bei rätselhaften körperlichen Krankheiten nur Symptome behandelt und als Erfolg gilt deren Verschwinden oder Linderung. Allein, bei den Symptomen der so genannten psychischen Krankheiten ist es fraglich, ob sie überhaupt Symptome, Anzeichen eines pathologischen Prozesses sind ober nur extreme Spielarten gewöhnlichen menschlichen Verhaltens.
    Man bedenke, dass diese „Symptome“ teilweise beeindruckend mit sozialen, ökonomischen, kulturellen Einflussgrößen korrelieren.7)Bentall, R. P. (2003). Madness Explained: Psychosis and Human Nature. London: Penguin Books Ltd. Entsprechend hohe Korrelationen mit Hirnparametern konnten bisher aber noch nicht reliabel gemessen werden.
  7. Obwohl eine verlässliche Einstufung als „psychisch krank“ nicht möglich ist, erfolgt eine psychiatrische Behandlung in aller Regel nicht willkürlich. Objektiv feststellen lässt sich nämlich, dass die so genannten psychisch Kranken meist von sozialen Normen und / oder den Erwartungen signifikanter Mitmenschen abweichen, und zwar auf der Ebene beobachtbaren Verhaltens. In aller Regel erscheint die Abweichung der Behandelten ihren Mitmenschen und oft auch den Behandelten selbst als rätselhaft. Sie lässt sich vernünftig nicht erklären. Sie widerspricht offenbar den wohlverstandenen Interessen des Betroffenen.
    Es ergibt sich also folgendes Bild: Es werden mutmaßlich psychisch Kranke wegen faktischer Devianz behandelt. Mit „Devianz“ ist hier nicht nur kriminelles oder eindeutig sozialschädliches Verhalten gemeint. Dieser Begriff bezieht sich auf jede dauerhafte Abweichung von Verhaltensmustern, die den jeweiligen sozialen Rollen eines Menschen entsprechen – z. B. in der Familie, in Bildung und Ausbildung, im Beruf.8)Siehe meinen Artikel: Die Rolle des psychisch Kranken
  8. Die Korrektur sozialer Devianz ist keine medizinische Aufgabe, auch wenn sie von Ärzten vorgenommen wird. Sie ist in dem Maße effektiv, wie erwünschtes Verhalten systematisch belohnt und unerwünschtes Verhalten regelhaft bestraft wird. Dies gelingt umso besser, je größer die Kontrolle der Resultate des gesamten Verhaltensspektrums ist.
    Daher kann der Psychiater das Verhalten von Patienten in geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Anstalten besser kontrollieren als in der ambulanten Praxis.
    Deswegen ist die Behandlung verhaltensauffälliger Kinder im Judge Rotenberg Educational Center, in dem die Betroffenen u. a. mit schmerzhaften elektrischen Strömen bestraft werden, effektiver als in Einrichtungen, die sich solche brutalen Methoden versagen.
  9. Wer ein Urteil zur Effizienz psychiatrischer Maßnahmen fällt, muss zwischen den offiziellen (Heilung oder Linderung von Krankheiten, Rehabilitation, Prävention) und den geheimen Zielen (Repression, soziale Anpassung, „Entsorgung“ von Störern) unterscheiden.9)Siehe meinen Artikel: Psychopharmaka – Wirkung durch Konditionierung?
  10. Auch wenn ererbte oder erworbene Dispositionen in der Verhaltenssteuerung eine Rolle spielen mögen, so wird sich grundsätzlich kein Verhalten ausformen, das nicht durch Faktoren in der Umwelt konditioniert wird. Mag auch der Einzelne aus inneren Antrieben oder gar aus freier Entscheidung ein Verhalten zeigen, die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens hängt unmittelbar von seinen Konsequenzen ab, nämlich davon, ob es belohnt oder bestraft wird.
    Aus diesem Grund ist das beste Mittel gegen Devianz nicht die psychiatrische Behandlung vermeintlich psychisch Kranker, sondern eine sinnvolle Gestaltung der sozialen und physischen Umwelt. Je seltener von sinnvollen Normen abweichendes Verhalten belohnt wird, desto seltener tritt es auf und desto schwieriger wird es, brutaler Methoden zur Behandlung von Devianz moralisch zu rechtfertigen.
  11. Brutale psychiatrische Methoden sind scheinbar rational in gesellschaftlichen Systemen, in denen, gesamtgesellschaftlich betrachtet, unangemessenes Verhalten belohnt und funktionales bestraft wird.10)Dies ist in der kapitalistischen Welt häufig der Fall; Beispiel: Narzisstisches Verhalten kann sich durchaus als karrierefördernd auswirken, obwohl es, gemessen an übergeordneten Kriterien menschlichen Zusammenlebens, dysfunktional ist. Siehe meinen Artikel: Narzissmus
    Diese Methoden sind scheinrational, weil sie schädliche gesellschaftliche Einflüsse nicht in Frage stellen, sondern nur die Auswirkungen abzumildern versuchen. Diese Scheinrationalität ist aber nicht nur unvernünftig, sondern auch gewissenlos. Denn das Gewissen gebietet uns, die Ursachen vermeidbaren Leids auszumerzen.
  12. Selbstverständlich bezweifele ich nicht die Existenz gestörten Verhaltens, also solcher Verhaltensweisen, die von der Psychiatrie als „Symptome psychischer Krankheiten“ gedeutet werden.
    Natürlich gibt es Menschen, deren Verhalten den eigenen, wohlverstandenen Interessen und den berechtigten Ansprüchen ihrer Mitmenschen widerspricht. Und ebenso selbstverständlich halte ich es für legitim, dieses Verhalten zu korrigieren.
    Als abwegig aber betrachte ich die Vorstellung, dass dieses fremd- bzw. selbstschädigende Verhalten ausschließlich Prozessen geschuldet sei, die im Individuum, also in seiner „Psyche“ und / oder in seinem Gehirn ablaufen. Der relative Erfolg der Verhaltenskontrolle in geschlossenen Einrichtungen zeigt ja, dass Faktoren der Umwelt den entscheidenden Einfluss auf das menschliche Verhalten haben.
  13. Natürlich könnte man dafür plädieren, unsere gesamte Gesellschaft nach dem Vorbild der geschlossenen Psychiatrie oder gar des Maßregelvollzugs umzugestalten.11)Siehe meinen Artikel: Zwangspsychiatrie Die Leute an den Schalthebeln der Macht könnten dann das Verhalten der Bürger, die zu Insassen würden, in größtmöglicher Weise kontrollieren.
    Die Frage, ob man die steigende Zahl der Zwangseinweisungen als Tendenz in diese Richtung deuten kann, möchte ich offen lassen.
    Ein solches Plädoyer stößt allerdings auf meinen entschiedenen Widerstand, weil bei einer solchen Lösung niemand mehr in der Lage wäre, die Leute an den Schalthebeln der Macht zu kontrollieren.
  14. Wohlgemerkt: Die Psychiatrie kann sehr effektiv sein, nur nicht hinsichtlich der Behandlung von Krankheiten. Ihre Dressuren aber sind mitunter staunenswert. Wenn Leute „Krankheitseinsicht“ zeigen und brav fragwürdige Nervengifte mit vielen offensichtlichen und versteckten Schadwirkungen schlucken, dann ist das die hohe Schule, zweifellos.
  15. Staatliche Gewaltanwendung kann man nur in dem Maße als unberechtigt zurückweisen, wie es gelingt, gesellschaftliche Verhältnisse so umzugestalten, dass sie die Wahrscheinlichkeit sozialschädlichen Verhaltens vermindern. Es versteht sich von selbst, dass man gemeingefährliches Verhalten nicht dulden kann, ganz gleich, wie es verursacht wurde. 
    Wir müssen unser Verhalten verändern und wir können dies nur, indem wir unsere physische und soziale Umwelt verändern. Wir wählen den falschen Weg gleich zu Beginn, wenn unser Ziel darin besteht, die ‘Gedanken und Herzen von Männern und Frauen’ zu verändern, anstatt die Welt, in der wir leben.“12)Skinner, B. F. (1977). Why I Am Not a Cognitive Psychologist. Behaviorism, Vol. 5, No. 2 (Fall, 1977), pp. 1-10
  16. Skinner, von dem dieses Zitat stammt, war Determinist, aber er wusste, dass operantes Verhalten zunächst spontan gezeigt werden muss, bevor es unter die Kontrolle der Konditionierung geraten kann. Aus meiner Sicht, und dadurch unterscheide ich mich von radikalen Behavioristen, kann diese Spontaneität durchaus Ausdruck des freien Willens sein.
  17. Wir Menschen haben die Möglichkeit, uns aus den Mechanismen unserer Konditionierungen zu lösen. Aber dadurch werden wir nicht völlig unabhängig und erhaben über alle Erdenschwere. Vielmehr haben wir nur die Wahl, durch Selbstkontrolle unangemessene Konditionierungen durch angemessene zu ersetzen. Was angemessen oder unangemessen ist, liegt nicht unverrückbar fest. Dies hängt natürlich von den Normen, Sitten und Gebräuchen unserer Gesellschaft ab, an die man sich in einem gewissen Grad anpassen muss.
  18. Die Psychiatrie verwandelt den Patienten in ein Objekt ärztlichen Handelns. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient folgt dem klassischen Muster: Hier der aktive, wissende Arzt – dort der passive, sich fügende Patient. Aus meiner Sicht ist diese Form der Behandlung fundamental unangemessen, wenn es um Lebensprobleme geht. Diese beruhen auf einer Kette meist unreflektierter Entscheidungen, die auch nur der Betroffene wieder rückgängig machen kann. Er ist nicht einem pathologischen Mechanismus ausgeliefert, der ihn zur Krankheit zwingt. Dies sollte man ihm daher auch nicht suggerieren.
  19. Hilfe ist mitunter unbedingt notwendig. Sie darf den Menschen mit Lebensproblemen aber nicht zum Kranken degradieren, der ärztlich behandelt werden muss. Erfolg versprechende Hilfe kann nur in einer Unterstützung zur Neu-Entscheidung bestehen. 
  20. Es sollte sich eigentlich von selbst verstehen, dass ein vernünftiger Umgang mit den psychischen Problemen in der Gesellschaft erschwert ist, wenn diese Probleme in einer Begriffswelt reflektiert werden, die der Überprüfung anhand von Logik und Tatsachen nicht standhält. Eine solche Begriffswelt ist die psychiatrische.
    Durch das medizinische Modell der psychischen Krankheiten presst sie Lebensprobleme in ein allzu enges Korsett. Diese biologistische Sichtweise erlaubt keine angemessene Berücksichtigung der gesellschaftlichen Zusammenhänge insgesamt und der wechselseitigen Beziehungen in den zahlreichen sozialen Systemen der Betroffenen im Detail.

Fußnoten   [ + ]

1.Den Begriff des „Bezweifelns“ habe ich bewusst gewählt. Ich bestreite die Existenz psychisch Kranker nicht und halte sie auch nicht für widerlegt. Vielmehr konnte ich trotz aufmerksamer, sich über Jahrzehnte erstreckender Suche noch keine zweifelsfreien Belege für deren Existenz finden. Zwar kenne ich Menschen, die als psychisch krank bezeichnet werden. Aber in keinem Fall konnte die entsprechende Diagnose durch objektive Methoden erhärtet werden. Meine Zweifel wurden bisher also noch nicht zerstreut. Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass derartige Diagnosen auf Mutmaßung beruhen. Sie werden aus Autoritätshörigkeit oder schierer Gedankenlosigkeit akzeptiert.
2.Siehe meinen Artikel: Psychiatrische Diagnosen und subjektive Bewertungen
3.Siehe meinen Artikel: Die Psychiatrie ist zum Beweis verpflichtet
4.Siehe meinen Artikel: Die Suche nach Kriterien der Validität psychiatrischer Diagnosen
5.Siehe meine Artikel: Die Psychiatrie ist zum Beweis verpflichtet / Mathematik der psychiatrischen Diagnostik
6.Siehe meinen Artikel: Das psychiatrische Paradigma: Die Mutmaßung
7.Bentall, R. P. (2003). Madness Explained: Psychosis and Human Nature. London: Penguin Books Ltd.
8.Siehe meinen Artikel: Die Rolle des psychisch Kranken
9.Siehe meinen Artikel: Psychopharmaka – Wirkung durch Konditionierung?
10.Dies ist in der kapitalistischen Welt häufig der Fall; Beispiel: Narzisstisches Verhalten kann sich durchaus als karrierefördernd auswirken, obwohl es, gemessen an übergeordneten Kriterien menschlichen Zusammenlebens, dysfunktional ist. Siehe meinen Artikel: Narzissmus
11.Siehe meinen Artikel: Zwangspsychiatrie
12.Skinner, B. F. (1977). Why I Am Not a Cognitive Psychologist. Behaviorism, Vol. 5, No. 2 (Fall, 1977), pp. 1-10