Zur Bundestagswahl 2017

Kritiker unseres politischen Systems behaupten, wir hätten gar keine Demokratie mehr. Eine kleine wirtschaftliche Elite kontrolliere die Medien. Diese suggerierten den Wählern mit Erfolg, es sei böse und dumm, mit den Verhältnissen in unserem Land unzufrieden zu sein. Gut sei es stattdessen und ein Zeichen von Reife, die staatstragenden Parteien zu wählen. Ansonsten aber sei Ruhe die erste Bürgerpflicht.

Stimmte dies, dann sähe es wirklich trostlos aus. Demokratie stünde nur noch auf dem Papier. Die Parteien wären Handlanger einer winzigen Schicht von Besitzenden und Mächtigen. Die Wähler wären Marionetten einer ebenso skrupellosen, wie effektiven Bewusstseinsindustrie. Die Wahlen wären eine Farce und Emma Goldman hätte recht gehabt, als sie schrieb: Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten.

Schauen wir genauer hin. Es lohnt sich immer, genauer hinzuschauen – vor allem, wenn Kritiker mit so überaus plausiblen Thesen aufwarten.

Nehmen wir einmal an, Sie möchten partout keine Brausegetränke. Brausegetränke wären Ihnen widerwärtig. Nun aber kommt ein Konzern daher und steckt sehr viel Geld in eine Kampagne zur Förderung des Absatzes von Brausegetränken. Dieser Konzern wäre sogar so perfide, sich aus dem Internet alle verfügbaren Daten über Sie herauszufischen. So ausgerüstet, hätte er eine für Sie maßgeschneiderte Werbung für Brausegetränke konzipiert. Und mit dieser Werbebotschaft würden Sie nun Tag für Tag auf allen Kanälen bestrahlt.

Befürchten Sie, durch eine solche mediale Attacke zum glühenden Fan von Brausegetränken zu werden?

Es fällt mir schwer zu glauben, dass Wähler die staatstragenden Parteien wählen, weil sie auf die beschriebene Weise manipuliert wurden. Im Gegenteil: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die meisten von ihnen sehr wohl wissen, was sie tun.

Zunächst einmal haben sich viele gedacht: Es könnte besser gehen, aber wirklich schlecht geht es auch nicht. Ob Parteien, die Besseres versprechen, dies auch einlösen können? Wer kann das wissen? Wer will das wissen? Es geht ja, so halbwegs. Wozu soll ich mich da übermäßig politisch bilden, um mir ein ausgefeiltes Urteil zu ermöglichen. Zeitverschwendung, vergiss es.

Viele glauben sogar zu wissen, dass die Politiker der staatstragenden Parteien Handlanger einer kleinen wirtschaftlichen Elite sind. Viele glauben sogar zu wissen, dass die Medien uns etwas im Sinne dieser Elite vorgaukeln. Ja und? Sei’s drum! Solange es uns noch gut geht – verhältnismäßig? Wer weiß, ob die anderen es besser machen? Und wer sind denn die anderen? Die kochen doch auch nur mit Wasser. Und unmoralisch sind sie ohnehin. Die unterscheiden sich da auch nicht von den Politikern, die jetzt am Ruder sind.

Dies, so meine ich, ist die Gemütslage, die unsere Wahlergebnisse hervorbringt, auch das heutige. Es wird nicht das Ergebnis der Manipulation von Gehirnen, sondern das Resultat von geistiger Trägheit sein. Und ehrlich: Das habt ihr doch auch schon vorher gewusst!

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