Davy Crockett – ein guter Freund von Franz-Josef Strauß

Amerikanischer Soldat vor einem Davy-Crockett-Waffensysystem

Davy-Crockett-Waffensystem / US government DOD and/or DOE photograph [Public domain], via Wikimedia Commons

Ein Blitz in der Hand des modernen Zeus

1960 verglich die traditionsreiche amerikanische Soldatenzeitschrift „Armor“ das neu entwickelte Waffensystem „Davy Crockett“ mit einem Blitz in den Händen des modernen Zeus.1)Davy Crockett may well be a new kind of thunderbolt, when placed in the hands of the modern Zeus. Es werde den mechanisierten Verbänden des Heeres eine neue Bedeutung verleihen.2)Sullivan, Lloyd S. (1960). What Does Davy Crockett Mean to You in Armor. Armor. The Magazine of Mobile Warfare. Vol. LXIX. Jan-Feb, Number 1, 4-5

Wenn man sich das Instrument, das auf dem Bild oben gezeigt wird, nur oberflächlich anschaut, hat man allerdings eher den Eindruck, ein Spielzeug für das Kind im Mann vor Augen zu haben. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Auch jenseits des Atlantiks besaß dieses Waffensystem einen begeisterten Befürworter, den damaligen Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß. Er pries die Waffe als wahres Wundermittel:

„Es gibt eine amerikanische Gefechtsfeldwaffe von ganz kurzer Reichweite und von begrenzter Wirkung. Ein einziger Schuss einer solchen Waffe ist gleichbedeutend mit etwa 40 oder 50 Salven einer gesamten Divisionsartillerie.“3)Bedingt abwehrbereit. (1962). Der Spiegel, 10. 10. 1962, Nr. 41 –  http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/25673830

Die taktisch nukleare Verteidigung Deutschlands

Seit Beginn der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts waren, in den Augen der amerikanischen Militärplaner, Atomwaffen nicht nur strategische Instrumente, die mit der Drohung der totalen Vernichtung eines Angreifers der Abschreckung dienen sollten.

Man wollte sie auch, in begrenztem Rahmen, auf dem Schlachtfeld, im Scharmützel an der Front einsetzen, um einen Aggressor zur Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen zu bewegen.

Mit taktischen Nuklearwaffen, die dem Gegner Nadelstiche versetzten, sollte dem Aggressor unmissverständlich die eigene Entschlossenheit klar gemacht werden.

Die deutsche Bundesregierung spielte mit dem Gedanken, auch die Bundeswehr mit taktischen Nuklearwaffen auszustatten. Für Adenauer waren diese Waffen nichts weiter als eine Weiterentwicklung der Artillerie.

Dagegen regte sich Widerstand in der deutschen Öffentlichkeit.

Das Göttinger Manifest

Eine Reihe deutscher Atomwissenschaftler sprach sich in einem “Göttinger Manifest” dagegen aus. Hier heißt es u. a.:

“Taktische Atomwaffen haben die zerstörende Wirkung normaler Atombomben. Als ‘taktisch’ bezeichnet man sie, um auszudrücken, dass sie nicht nur gegen menschliche Siedlungen, sondern auch gegen Truppen im Erdkampf eingesetzt werden sollen. Jede einzelne taktische Atombombe oder -granate hat eine ähnliche Wirkung wie die erste Atombombe, die Hiroshima zerstört hat. Da die taktischen Atomwaffen heute in großer Zahl vorhanden sind, würde ihre zerstörende Wirkung im ganzen sehr viel größer sein. Als ‘klein’ bezeichnet man diese Bomben nur im Vergleich zur Wirkung der inzwischen entwickelten ‘strategischen’ Bomben, vor allem der Wasserstoffbomben.”4)Text des Göttinger Manifests – Georg-August-Universität Göttingen. Abgerufen 6. Dezember 2018, von http://www.uni-goettingen.de/de/54320.html

Fallex 62 und die Folgen

Das Manöver „Fallex 62″5)Wikipedia: Fallex 62 hatte den politisch und militärisch Verantwortlichen vor Augen geführt, dass die Bundeswehr ihren Aufgaben im Rahmen einer konventionellen Verteidigung Deutschlands gegen den Warschauer Pakt nicht gewachsen sein würde.

Deswegen war unter Experten weitgehend unbestritten, dass die nukleare Karte gezogen werden musste. Andernfalls hätte man Militärausgaben für die konventionelle Aufrüstung in einer Höhe ins Auge fassen müssen, die politisch nicht durchzusetzen gewesen wären. Auch die Amerikaner standen vor ähnlichen Erwägungen – nur mit dem Unterschied, dass zwischen dem wahrscheinlichen zukünftigen Kriegsschauplatz und ihrem Territorium der Atlantik lag.

Da man jedoch eine gegenseitige Zerstörung der Großmächte verhindert wollte, sollte der Krieg im Falle des Falles auf Europa und vor allem auf Deutschland begrenzt werden, indem man, falls notwendig, an der deutsch-deutschen Grenze, taktische Nuklearwaffen einsetzte.

Davy Crockett wird aktiv

Ins Spektrum dieser Waffensysteme gehörte die Davy Crockett. In der ersten Euphorie nach Einführung dieser vermeintlichen Wunderwaffe glaubte Franz-Josef Strauß, die Ausrüstung des Heeres mit diesem Waffensystem könne die Schwächen der Bundeswehr ausgleichen, ohne dass man allzu tief in die Tasche greifen musste.

1961, während der Berlin-Krise, entschied sich US-Verteidigungsminister Robert McNamara, 171 Davy-Crockett-Systeme in Europa zu stationieren.1962, während der Kuba-Krise, wurden diese Waffen in ihre Einsatzgebiete an der Zonengrenze gebracht. 6)McNaughton, M. J. C. (2015). The Atomic Army: A Case Study in Strategic Landpower, United States Army War College, Philadelphia, Seite 27

Die Eigenarten des Waffensystems

Mit der „Davy Crockett“ – eine auf einen Dreifuß montierte Rückstoßwaffe – konnte man Atom-Granaten mit verhältnismäßig geringer Sprengkraft verschießen. Sie war eines der kleinsten jemals produzierten nuklearen Waffensysteme.

Ihr Sprengkopf – eine s.g. Mini-Nuke – wurde auch in einer Landmine, der „Spezial Atomic Demolition Munition“, verwendet.

Der Aufbau ging einem trainierten Team so schnell von der Hand wie einem einschlägig erfahrenen Kunden das Zusammenbauen eines Ikea-Regals.7)Field Manual 23-30: Davy Crockett Weapons System  in Infantry and Amor Units. Headquarters, Department of the Army, December 1961

Bei der Davy Crockett handelte es sich eigentlich um zwei Systeme. Sie unterschieden sich allerdings nur durch ihre Reichweite. Mit dem kleineren Gerät konnte man 2, mit dem größeren 4 km weit schießen. In beiden Varianten wurde der gleiche Sprengkopf verwendet.

Die oben abgebildete kleinere Variante des Waffensystems hätte einschließlich des Atomsprengkopfes – ggf. anstelle des Sofas – in ein mittelgroßes Wohnzimmer gepasst.

Ein halbwegs kräftiger Mensch wäre in der Lage gewesen, die nukleare Munition in einem Rucksack auf dem Rücken zu tragen. Auch die restlichen Bestandteile des Systems konnten von Soldaten auf ihren Schultern transportiert werden.

Die Davy Crockett sollte in erster Linie folgende Ziele aufs Korn nehmen:

  • Menschenmengen vor der Größe eines militärischen Zugs aufwärts
  • Abschussanlagen für Geschütze und Raketen
  • Fahrzeuggruppen
  • Kommandoposten oder logistische Einrichtungen
  • Befestigte Positionen8)Field Manual 7-20: Infantry, Airborne Infantry, and Mechanized Infantry Battalions, Headquarters, Department of the Army, January 1962, Seite 332

Im Juli 1962 wurde die Davy Crockett in der Wüste von Nevada getestet. Nach der Explosion fuhren Soldaten mit Jeeps zum Ground Zero, um dort zu exerzieren. Das Manöver dauerte fünfzig Minuten. Der Atomtest hieß Dominic II,9)auch unter dem Namen “Sunbeam” bekannt der Abschuss Little Feller I und die Übung Ivy Flats.10)Ponton, J. et al. (1983). Operation Dominic II, Shots Little Feller II, Johnny Boy, Small Boy, Little Feller I, 7 July – 17 July 1962. Defense Nuclear Agency, Grant Number: DNA 001-79-C-0473, Fort Belvoir, VA

Zu den Beobachtern des Tests zählte der damalige Justizminister Robert Kennedy sowie der militärische Berater des Präsidenten John F. Kennedy, Maxwell D. Taylor. Die Kennedys und Taylor waren Befürworter taktischer Nuklearwaffen. Sie passen zum Konzept der “flexiblen Antwort”, die sie Eisenhowers Doktrin der massiven Vergeltung entgegensetzen wollten.

Der Sprengkopf der Davy Crockett maß im Durchmesser etwa 27 cm, war 40 cm lang und wog in etwa 23 Kilo. Die für den taktischen Nuklearkrieg zwingend erforderliche Flexibilität und Beweglichkeit besaß dieses Waffensystem also durchaus.

Die Sprengkraft entsprach einem TNT-Äquivalent von 10 bzw. 20 Tonnen (zweistufig einstellbar). Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 15-16 Kilotonnen.11)List of All U.S. Nuclear Weapons. (o. J.). Abgerufen 6. Dezember 2018, von http://nuclearweaponarchive.org/Usa/Weapons/Allbombs.html Damit hatte der Sprengkopf in etwa die Durchschlagskraft der stärksten konventionellen Bomben der damaligen Zeit. Hinzu kam allerdings die Strahlung, deren physische und psychische Wirkung gewaltig war.

Unter dem Hauptrohr der Davy Crockett befand sich ein “Spotting Rifle” mit einem deutlich kleineren Lauf. Diese Einschießwaffe war besonders nützlich, wenn die Bediener des Systems ihr Ziel nicht sehen konnten, weil es z.B. hinter einem Hügel verborgen war.

In diesen Fällen wurde ein vorgeschobener Beobachter mit Sicht auf das Ziel eingesetzt. Die Bediener gaben einen Probeschuss mit nicht-atomarer Munition ab. Der Beobachter meldete, wie genau sie getroffen hatten. Dieser Vorgang wurde wiederholt, bis die Ergebnisse zufriedenstellend waren. Dann konnte das Feuer für die Atombombe freigegeben werden. Dist entspricht im Prinzip dem bei Mörserbeschuss üblichen Vorgehen.

Als “Spotting Round” (Einschieß-Munition) wurde bei der kleineren Version der Davy Crockett (Reichweite 2 Kilometer) die “20mm M101 DU Spotting round” verwendet. Diese Projektile enthielten abgereichertes Uran. Die Wahl fiel aus Gewichtsgründen auf dieses Material. Dies ermöglichte eine ausreichende Anpassung der Flugbahn an die der Atomgranate.12)Department of the Army: Military Training Activities at Mākua Military Reservation, Hawai’i: Environmental Impact Statement, 2009, Seite 3-335

Die US-Armee lieferte diese Munition in Deutschland nach Frankfurt und Pirmasenz.13)M101 20mm Davy Crockett Spotting Round. (o. J.). Abgerufen 6. Dezember 2018, von http://www.bandepleteduranium.org/en/m101-20mm-davy-crockett-spotting-round Ob sie auch auf deutschen Truppenübungsplätzen verschossen wurde, ist nicht bekannt.

Die militärische Führung der NATO hoffte, dass der Einsatz einer Nuklearwaffe von relativ begrenzter Wirkung keine nukleare Eskalation auslösen und daher nicht zwangsläufig zu einem globalen totalen Atomkrieg führen werde.14)Diese Hoffnung wurde schon damals von Skeptikern als leichtfertig betrachtet. Aus heutiger Sicht erscheint sie dem durchschnittlichen Zeitgenossen sogar als abwegig. Schaut man allerdings genauer hin, so könnte sich ein anderes Bild ergeben. Die Herren im Kreml waren zu dieser Zeit keine ideologischen Fanatiker, sondern pragmatische Machtmenschen. Vielleicht hätten sie ihren Versuch der Invasion Europas tatsächlich aufgegeben. Man hätten ihnen ja den Ernst der Lage drastisch vor Augen geführt. Zugleich hätte sich ihnen die Möglichkeit geboten, aus der Nummer mit einem blauen Augen schnell wieder herauszukommen. Ihr eigenes Land war ja nicht bombardiert worden. Es war also kein ernstlicher Gesichtsverlust zu befürchten. Und schließlich mussten sie damit rechnen, dass am Ende der Eskalationsspirale auch die eigene Vernichtung stehen würde.

Die Treffsicherheit der Davy Crockett war ziemlich niedrig.15)Schwartz, Stephen I., Ed.: Atomic Audit: the Cost and Consequences of U.S. Nuclear Weapons Since 1940. Brookings Institution Press. Washington, D.C.,1998, Seite 156

In dicht besiedelten Gebieten wäre ihr Einsatz also mit einem sehr ungünstigen Verhältnis von Feind- und Kollateralschäden verbunden gewesen. 16)Siehe zu dieser Problematik meinen Artikel: Ein taktisches Dilemma im Nuklearkrieg.

Erschwerend kam zu diesen technischen Mängeln hinzu, dass die Entscheidung über den Einsatz dieser Atomwaffe, ihren taktischen Charakter und ihren waffentechnischen Besonderheiten entsprechend, auf eine sehr niedrige Befehlsebene gelegt werden musste.17)Weston, L. C. (1964). Project Management of the Davy Crockett Weapons System 1958-1962. Headquarters U.S. Army Weapons, Command Rock Island, Arsenal Rock Island, IL., Seite 37

Sie wäre im Extremfall also von einen Unteroffizier gefällt worden, weil sonst unter den realen Bedingungen einer Schlacht kein halbwegs sinnvoller Einsatz möglich gewesen wäre. Die Zeit wäre häufig zu knapp gewesen, um zunächst bei höheren Stellen in der Befehlskette um Genehmigung nachzusuchen.18)Am Rande bemerkt: Beim Amtswechsel eines US-Präsidenten wird in den Medien gern die Übergabe des geheimnisumwitterten Nuklearkoffers mit den Aktivierungscodes für Atomwaffen gezeigt. Dies ist große Oper. In der Realität wäre es gar nicht möglich gewesen, die Entscheidungsgewalt bei einer Person zu konzentrieren. Man musste ja z. B. damit rechnen, dass die Sowjets bei einem Überraschungsangriff zunächst Washington zerstören würden. Dann wären Präsident und Vizepräsident tot gewesen. Wer also hätte den Befehl zum Gegenschlag geben sollten? Diesem Thema hat sich der legendäre Whistleblower Daniel Ellsberg ausführlich in seinem Buch “The Doomsday Machine” gewidmet.

Das System war übrigens nicht mit der sonst üblichen Sicherheitsvorrichtung für Atomwaffen (Permissive Action Link – PAL), für die man einen ultra-geheimen Aktivierungscode brauchte, vor unbefugtem Zugriff geschützt.

Vielmehr vertraute die Army den wagemutigen jungen Männern, denen sie diese kleine, aber monströse Waffe anvertraut hatte. Und sie wurde nicht enttäuscht. Es musste kein Unfall und auch keine missbräuchliche Verwendung des modernen Zeus-Blitzes verzeichnet werden.19)McNaughton, M. J. C. (2015). The Atomic Army: A Case Study in Strategic Landpower, United States Army War College, Philadelphia, Seite 16

Ökonomische Erwägungen

Die mit dem Waffensystem verbundenen Probleme waren von Anfang an bekannt. Sie konnten jedoch die Euphorie zunächst nicht bremsen. Ein Atomwaffe, die von ein paar Männern durch Unterholz geschleppt und an passender Stelle gezündet wurde, war einfach zu faszinierend.

Straußens Begeisterung für Davy Crockett hatte allerdings einen gewichtigen pragmatischen Hintergrund. Den Militärexperten in dieser Zeit war klar, dass eine Verteidigung Deutschlands mit konventionellen Mitteln zwar nicht völlig auszuschließen gewesen wäre. Aber sie hätte gewaltige Summen verschlungen.

Strauß:

„Eine Atombombe ist so viel wert wie eine Brigade und außerdem viel billiger. Wir können uns keine Einschränkung unseres Lebensstandards und unseres Exports erlauben.“20)Bedingt abwehrbereit. (1962). Der Spiegel, 10. 10. 1962, Nr. 41 –  http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/25673830

Strauß versprach sich von der Davy Crockett also nicht nur eine verheerende Wirkung auf den Feind, sondern gleichermaßen eine heilsame auf die Staatskasse.

Um Strauß Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sei erwähnt: Die immens erhöhten Kosten für eine konventionelle Verteidigung wären auch beim Wahlvolk spürbar gewesen und hätten Unmut hervorgerufen. Dadurch wären die Wahlchancen von Parteien mit einer weniger kostspieligen Verteidigungspolitik natürlich erhöht worden. Vermutlich hätte sich keine Partei mit Machtanspruch eine konventionelle Verteidigungspolitik leisten können.

Der Niedergang eines Shooting Stars

Wie nach dem Entkorken einer Champagner-Flasche schäumte die Begeisterung für kurze Zeit über. Die Davy Crockett galt allerdings nur ein paar Jahre lang als die Wunderwaffe des modernen kalten Kriegers.

Schon wenige Jahre später (1965) äußerte der damalige amerikanische Verteidigungsminister bündig, das System sei praktisch wertlos.21)USA / DAVY CROCKETT: Rückzug aus Europa. (1965, Juni 9). Der Spiegel, 24. Abgerufen von http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46272947.html

Zwei Jahre später, 1967, begannen die Amerikaner, die Davy Crockett aus Europa abzuziehen.22)Seelinger, Matthew. (2016, September 20). The M28/M29 Davy Crockett Nuclear Weapon System. Abgerufen 6. Dezember 2018, von https://armyhistory.org/the-m28m29-davy-crockett-nuclear-weapon-system/

Aufstieg und Niedergang der Davy Crockett glichen der Flugbahn seines Projektils: steil und kurz.

Der Albtraum geht weiter

Wie so oft allerdings in solchen Fällen23)… wenn etwas notgedrungen überwunden werden muss, womit sich einst große Hoffnungen verbanden verschwand nur die äußere Hülle. Die Substanz blieb erhalten. Der nukleare Sprengkopf ließ sich auch in der so genannten Atomic Demolition Munition verwenden. So wird eine Waffe bezeichnet, die fälschlicherweise als “Landmine” eingestuft wird. Sie war etwas anderes, ein taktisches Instrument eigener Art. Diese Sprengköpfe blieben in Deutschland. Nur das Abschuss-System des Sprengkopfes, die Davy Crockett, war für dicht besiedeltes Gebiet nicht treffsicher genug. Man musste ein präziseres System finden.

Fußnoten   [ + ]

1.Davy Crockett may well be a new kind of thunderbolt, when placed in the hands of the modern Zeus.
2.Sullivan, Lloyd S. (1960). What Does Davy Crockett Mean to You in Armor. Armor. The Magazine of Mobile Warfare. Vol. LXIX. Jan-Feb, Number 1, 4-5
3, 20.Bedingt abwehrbereit. (1962). Der Spiegel, 10. 10. 1962, Nr. 41 –  http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/25673830
4.Text des Göttinger Manifests – Georg-August-Universität Göttingen. Abgerufen 6. Dezember 2018, von http://www.uni-goettingen.de/de/54320.html
5.Wikipedia: Fallex 62
6.McNaughton, M. J. C. (2015). The Atomic Army: A Case Study in Strategic Landpower, United States Army War College, Philadelphia, Seite 27
7.Field Manual 23-30: Davy Crockett Weapons System  in Infantry and Amor Units. Headquarters, Department of the Army, December 1961
8.Field Manual 7-20: Infantry, Airborne Infantry, and Mechanized Infantry Battalions, Headquarters, Department of the Army, January 1962, Seite 332
9.auch unter dem Namen “Sunbeam” bekannt
10.Ponton, J. et al. (1983). Operation Dominic II, Shots Little Feller II, Johnny Boy, Small Boy, Little Feller I, 7 July – 17 July 1962. Defense Nuclear Agency, Grant Number: DNA 001-79-C-0473, Fort Belvoir, VA
11.List of All U.S. Nuclear Weapons. (o. J.). Abgerufen 6. Dezember 2018, von http://nuclearweaponarchive.org/Usa/Weapons/Allbombs.html
12.Department of the Army: Military Training Activities at Mākua Military Reservation, Hawai’i: Environmental Impact Statement, 2009, Seite 3-335
13.M101 20mm Davy Crockett Spotting Round. (o. J.). Abgerufen 6. Dezember 2018, von http://www.bandepleteduranium.org/en/m101-20mm-davy-crockett-spotting-round
14.Diese Hoffnung wurde schon damals von Skeptikern als leichtfertig betrachtet. Aus heutiger Sicht erscheint sie dem durchschnittlichen Zeitgenossen sogar als abwegig. Schaut man allerdings genauer hin, so könnte sich ein anderes Bild ergeben. Die Herren im Kreml waren zu dieser Zeit keine ideologischen Fanatiker, sondern pragmatische Machtmenschen. Vielleicht hätten sie ihren Versuch der Invasion Europas tatsächlich aufgegeben. Man hätten ihnen ja den Ernst der Lage drastisch vor Augen geführt. Zugleich hätte sich ihnen die Möglichkeit geboten, aus der Nummer mit einem blauen Augen schnell wieder herauszukommen. Ihr eigenes Land war ja nicht bombardiert worden. Es war also kein ernstlicher Gesichtsverlust zu befürchten. Und schließlich mussten sie damit rechnen, dass am Ende der Eskalationsspirale auch die eigene Vernichtung stehen würde.
15.Schwartz, Stephen I., Ed.: Atomic Audit: the Cost and Consequences of U.S. Nuclear Weapons Since 1940. Brookings Institution Press. Washington, D.C.,1998, Seite 156
16.Siehe zu dieser Problematik meinen Artikel: Ein taktisches Dilemma im Nuklearkrieg.
17.Weston, L. C. (1964). Project Management of the Davy Crockett Weapons System 1958-1962. Headquarters U.S. Army Weapons, Command Rock Island, Arsenal Rock Island, IL., Seite 37
18.Am Rande bemerkt: Beim Amtswechsel eines US-Präsidenten wird in den Medien gern die Übergabe des geheimnisumwitterten Nuklearkoffers mit den Aktivierungscodes für Atomwaffen gezeigt. Dies ist große Oper. In der Realität wäre es gar nicht möglich gewesen, die Entscheidungsgewalt bei einer Person zu konzentrieren. Man musste ja z. B. damit rechnen, dass die Sowjets bei einem Überraschungsangriff zunächst Washington zerstören würden. Dann wären Präsident und Vizepräsident tot gewesen. Wer also hätte den Befehl zum Gegenschlag geben sollten? Diesem Thema hat sich der legendäre Whistleblower Daniel Ellsberg ausführlich in seinem Buch “The Doomsday Machine” gewidmet.
19.McNaughton, M. J. C. (2015). The Atomic Army: A Case Study in Strategic Landpower, United States Army War College, Philadelphia, Seite 16
21.USA / DAVY CROCKETT: Rückzug aus Europa. (1965, Juni 9). Der Spiegel, 24. Abgerufen von http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46272947.html
22.Seelinger, Matthew. (2016, September 20). The M28/M29 Davy Crockett Nuclear Weapon System. Abgerufen 6. Dezember 2018, von https://armyhistory.org/the-m28m29-davy-crockett-nuclear-weapon-system/
23.… wenn etwas notgedrungen überwunden werden muss, womit sich einst große Hoffnungen verbanden