Bulimie – eine psychische Krankheit?

Die Fragwürdigkeit des Begriffs der „psychischen Krankheit“ zeigt sich wohl am deutlichsten bei der so genannten Bulimie. Mit diesem Wort wird folgendes Verhalten beschrieben:

Ein Mensch neigt dazu, sich vollzufressen. Er möchte aber nicht dicker werden. Um dies zu verhindern, bedient er sich radikaler Maßnahmen: Dazu können z. B. Hungern und extreme Diäten gehören. Zumeist aber wird eine sehr einfache und zudem überaus effektive Methode angewendet. Man steckt den Finger in den Hals und kotzt.

Die Psychiatrie behauptet, dies sei eine Krankheit. Allerdings ist sie den Beweis dafür schuldig geblieben. Weder im Gehirn oder Nervensystem, noch sonstwo im Körper des betroffenen Individuums konnte sie eine Ursache für die Bulimie entdecken.

Nun empfehle ich, einmal tief durchzuatmen und genauer hinzuschauen. Wer zu viel isst und danach kotzt, wird schon bald auf der Waage einen schönen Erfolg verbuchen können. Das Messinstrument zeigt dann nämlich nicht etwa eine unerwünschte Gewichtszunahme an. Keineswegs: Trotz der Fressorgie ist das Gewicht gleich geblieben.

Das, mit dem Begriff „Bulimie“ bezeichnete, Verhalten war also von Erfolg gekrönt. Menschen neigen dazu, Verhalten öfters zu zeigen, wenn es sich auszahlt. Und schnell wird es dann zur Gewohnheit. Diesen Prozess nennt man Konditionierung. Er lässt sich auch bei Tieren beobachten.

Notes

  • Ockhams Rasiermesser: Das Sparsamkeitsprinzip

    "Vereinfacht ausgedrückt besagt es:

    Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.

    Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt."

    Wikipedia

Man kann die Bulimie also mühelos durch Konditionierung erklären. Es ist nicht notwendig, eine Krankheit dahinter zu vermuten.

Bulimie ist eindeutig eine sehr effektive Form der Gewichtskontrolle. Sie ist allerdings überaus riskant. Man kann sich gesundheitliche Folgeschäden zuziehen. Der Preis für die Effizienz ist hoch. Bulimie kann sehr böse enden.

Nun mag man einwenden, dass nicht alle Leute mit Gewichtsproblemen zu dieser unschlagbar erfolgreichen Form der Gewichtskontrolle griffen. Daher müsse hier wohl doch eine Krankheit vorliegen, auch wenn man eine körperliche Ursache, z. B. im Gehirn nicht nachweisen könne.

Doch gemach! Viele mögen das gewollte Erbrechen als zu ekelhaft empfinden. Diesbezüglich hartgesotten zu sein, kann man wohl kaum als Krankheit verstehen. Gewichtiger ist das Argument, dass diese Methode vielen zu riskant sei. Aber auch diese Bereitschaft zur Risiko-Übernahme ist nicht krank. Die Höhe des akzeptierten Risikos hängt schließlich von der Bedeutung des Ziels ab, für dessen Erreichen es in Kauf genommen wird. Eine rationale Risikoabwägung kann ja kaum als pathologisch eingestuft werden.

Ich will hier die Komplexität dieses Gesichtspunkts nicht voll aufdröseln. Es genügt ein Beispiel: Ein Mensch isst gern, ja, er liebt es, sich richtig vollzuschlagen. Aber er will nicht dick werden. Dick zu sein ist für ihn nämlich mit äußerst negativen Konsequenzen verbunden.

Nehmen wir an, dieser Mensch sei eine Frau. Sie sei mit einem Mann verheiratet, der jedes Gramm zu viel bei seiner Gattin argwöhnisch beäugt. Die Frau fürchtet sich davor, ihr Mann könne sich einer anderen zuwenden, wenn sie zu dick wird.

Das Erbrechen ist in diesem Fall ein Vermeidungsverhalten. Sie möchte damit vermeiden, dass ihr Mann sie verlässt. Gibt die Waage Entwarnung, löst dies Erleichterung aus.

Die Frau nimmt also das gesundheitliche Risiko in Kauf, um ein anderes Risiko zu minimieren, nämlich das des Verlassenwerdens. Die erhöhte Risikobereitschaft ist also ebenfalls die Folge einer Konditionierung.

Auch dafür müssen wir also nicht nach einem Defekt im Gehirn suchen. Die Ursachen liegen allesamt außerhalb des Gehirns. In der Umwelt gibt es verlockende Speisen, Waagen, wenig zart fühlende Männer sowie ähnlich problematische Gegenstände, Wesen und Gegebenheiten. That’s all.

Die Bulimie ist also eine Reaktion eines intakten Gehirns auf eine missliche, vertrackte Kombination solcher Phänomene in der Umwelt.

Nun meinen manche, Bulimie sei eine Folge von Depressionen. Diese Diagnose ist aber nur ein Kürzel für eine Reihe subjektiver Beschwerden, für Missstimmungen in diversen Varianten und Ausprägungen. Häufig ist die Depression die Begleiterscheinung unterdrückter Wut. Der Depressive fürchtet sich vor den Konsequenzen des Auslebens dieser Wut. Durch seine gedrückte Stimmung hindert er sich daran, aggressiv gegen den Verursacher seiner Wut vorzugehen.

Um zu unserem Beispiel zurückzukehren: Die Frau hätte guten Grund, auf ihren anmaßenden und unverschämten Mann wütend zu sein. Da sie aber nicht verlassen werden will, zieht sie es vor, ein Risiko für ihre Gesundheit einzugehen.

Sie entwickelt Bulimie. Dies ist aber keine Krankheit, sondern ein Kompromiss. Sie kann so ihrer Esslust frönen, ohne sich auf einen Konflikt mit ihrem Mann einlassen zu müssen. Dass ihr diese Strategie dennoch auf die Stimmung schlägt, ist nicht schwer nachzuvollziehen.

Fazit
  1. Bulimie ist eine riskante Form der Gewichtskontrolle.
  2. Sie ist keine Krankheit.
  3. Sie kann aber Krankheiten zur Folge haben.
  4. Sie beruht vielmehr auf einer individuellen Entscheidung.
  5. Bulimie ist eine effiziente Form der Gewichtskontrolle.
  6. Deswegen kann sie zu einer Gewohnheit werden.
  7. Da Bulimie auf einer Entscheidung fußt, ist es möglich, sich auch wieder gegen sie entscheiden.
  8. Wie alle effizienten Gewohnheiten ist sie jedoch schwer zu überwinden.