Satanisch ritueller Missbrauch – Fakten und Fiktionen

Vorbemerkung

Wer sich mit dem „satanisch rituellen Missbrauch“ beschäftigt, sieht sich mit einem Bereich extremer Gefühle und hemmungsloser Spekulationen konfrontiert, an dem sich die Geister scheiden. Die einen benutzen dieses Thema, um die Realität von Erinnerungen an sexuellen Missbrauch generell in Frage zu stellen und die anderen sehen hier ihre Chance, der Welt vor Augen zu führen, wie grausam und unmenschlich Männer sein können.

In diesem Artikel soll ein emotional kontrollierter Mittelweg zwischen Fakten und Fiktionen beschritten werden. Er konzentriert sich auf den Zusammenhang zwischen rituellem Missbrauch und Bewusstseinskontrolle (Mind Control). Dieser Zusammenhang findet sich häufig in den Berichten von angeblich Betroffenen, vor allem, wenn von „multigenerational satanic cults“ die Rede ist.

Es gibt unstrittige Fakten zum Thema der Bewusstseinskontrolle. Sie sind zwar bruchstückhaft, aber immerhin solide dokumentiert, und dies unterscheidet dieses Feld vom so genannten satanisch rituellen Missbrauch. Die in diesem Artikel vorgetragene Hypothese lautet, dass die Fakten zur Bewusstseinskontrolle zumindest einige Aspekte des angeblich satanisch rituellen Missbrauchs erhärten können. Selbstverständlich zeichnet sich auch diese Interpretation durch spekulative Züge aus, die ich, beim Stand der Dinge, für unvermeidlich halte.

Satanismus?

Niemals auf diesem wunderschönen Erdenrund voll bizarrer Verbrechen gelang es der Polizei, eine satanistische Organisation des rituellen Missbrauchs zu überführen, bei dem Kinder durch Folter, Drogen, Hypnose und Vergewaltigung mental versklavt wurden. Selbstverständlich gibt es sexuellen Missbrauch, und in einigen Fällen lassen sich bestätigte Fälle auch mit satanistischen Fantasien von Tätern in Verbindung bringen; allein, dies reicht nicht, um den Verdacht der Verwicklung satanistischer Organisationen in solche Vorgänge zu bestätigen.

Und so ist der Begriff „satanisch ritueller Missbrauch” fragwürdig geworden; viele suchen nach einer neuen Bezeichnung für das, was den mutmaßlichen Opfern einer systematischen Spaltung ihrer Persönlichkeit und der Dressur der entstehenden Persönlichkeitsfragmente widerfuhr.

Zu diesen Suchern zählt auch Thorsten Becker. Er ist Sozialarbeiter, Kultberater und Forscher. Er schlägt den Begriff „Ideologisch motivierte Verbrechen” vor (Becker 2008). Der Begriff „satanisch ritueller Missbrauch” werde manchmal, so begründet er seinen Vorschlag, reduziert auf das Bild der Praktiken intergenerativer satanischer Kulte, die auch Kindermord und das Verspeisen von Babys umfassen. Diese Definition sei also zu speziell.

Gegen einen solchen Begriffswandel ist prinzipiell nichts einzuwenden – Definitionen sind ja immer willkürlich und warum sollte man die eine willkürliche Definition nicht durch eine andere willkürliche Definition ersetzen?

Beckers Aufzählung von Beispielen für „ideologisch motivierte Verbrechen” lässt allerdings aufhorchen. Er führt nicht nur Straftaten auf, die von Hexenzirkeln und Voodoo-Kulten begangen wurden, sondern auch die Experimente zur Kontrolle des Bewusstseins, die von amerikanischen und kanadischen Ärzten mit Forschungsgeldern der CIA und anderen staatlichen Institutionen realisiert wurden (Bowart 1994).

Ideologisch motivierte Verbrechen?

Diese Experimente waren also, folgt man Becker, ideologisch motivierte Verbrechen. Man stelle sich vor, eine Gruppe von Bankräubern raube eine Bank aus. Die Täter werden gefasst und nach ihren Motiven befragt, geben sie zu Protokoll, Geld sei für sie der höchste Wert im Leben, Geld sei für sie fast so etwas wie eine Religion. War dann der Bankraub ein ideologisch motiviertes Verbrechen? Vielleicht, wenn die Bankräuber nach der Tat zum Zündholz gegriffen und mit den Geldscheinen ein Rauchopfer dargebracht hätten.

Es trifft schon zu, dass die Experimente zur Bewusstseinskontrolle während des Kalten Krieges stattfanden (Marks 1979) und der Kalte Krieg war ja nicht zuletzt auch eine ideologische Auseinandersetzung. Genügt diese Tatsache, diese Experimente (für die im Übrigen niemals ein Experimentator rechtskräftig verurteilt wurde) als ideologisch motivierte Verbrechen zu bezeichnen?

Militärische und geheimdienstliche Ziele

Man halte sich vor Augen, dass diese Experimente eindeutig technischen Zielen dienten. Sie sollten handfeste militärische und geheimdienstliche Probleme lösen – real existierende Schwierigkeiten, für die eine Lösung gefunden werden musste. Und dies keineswegs aus ideologischen Gründen, sondern weil ohne adäquate Problemlösungen die militärischen und geheimdienstlichen Strategien, für die sich der freie Westen entschieden hatte, nicht hätten realisiert werden können.

Natürlich: Ideologien sind Systeme von Ideen und da menschliche Handlungen immer auf Ideen beruhen, ist in diesem weiten Sinne jedes Verbrechen ein ideologisches. Wenn wir den Begriff der Ideologie aber nicht so weit verwässern wollen, dann sollten wir uns schon zu einer Unterscheidungen zwischen ideologischen und beispielsweise militärischen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Motiven bequemen.

Geheimdienste sind keine Kulte, auch keine politischen Kulte, deren Handeln allein ideologisch erklärt werden könnte oder müsste. Dies gilt insbesondere für die CIA, die im Grunde gar kein Geheimdienst ist, sondern die geheime Armee des Präsidenten der Vereinigten Staaten (Prados 1996). Ihre Hauptaufgabe ist nicht das Beschaffen von Informationen, sondern die Durchführung verdeckter Operationen.

Und die Mind-Control-Experimente, die in ihrem Auftrag verwirklicht wurden (Ross 2000), sollten ihr helfen, die Effizienz der verdeckten Operationen zu steigern. Diese Operationen mögen ideologische Ziele verfolgen oder durch Ideologien begründet sein, aber an den unsichtbaren Fronten bestimmen Fakten und das Vorhandensein oder Fehlen von Methoden, diesen Tatsachen angemessen zu begegnen, den Fortgang der Auseinandersetzung.

Auch die US-Armee, die ebenfalls Mind-Control-Methoden entwickelte (Moreno 2000), ist kein Kult – und handfeste militärische Aufgaben lassen sich nicht mit rituellen Handlungen bewältigen. Die militärischen Führer mit Verantwortung für Soldaten, die an der Front ihre Knochen hinhalten, suchen vielmehr nach Methoden, die den Sieg gewährleisten und zugleich die eigenen Verluste so gering wie möglich halten. Dies sind universelle militärische Ziele, die unabhängig von Ideologien verfolgt werden.

Experten wie Thorsten Becker sind auf dem richtigen Weg, wenn sie ihre Aufmerksamkeit von der nebelhaften Welt eines fiktiv anmutenden satanisch rituellen Missbrauchs abziehen. Nun müssen sie lernen, ihr Fernglas und ihr Mikroskop richtig zu adjustieren, damit die tatsächlichen Prozesse, um die es hier geht, in ihren Fokus treten.

Es wäre fatal, die Täter vorschnell zu ‘kultifizieren’. Dadurch legt man sich nämlich fest, ihre Ziele und Motive als irrational und ihre Taten als Ausdruck einer zum Selbstzweck gewordenen Inhumanität zu betrachten.

Durch diese Vorentscheidung schließt man logisch zwingend jene Menschen aus dem Kreis der Verdächtigen aus, die ein ausschließlich rationales Interesse an der mentalen Versklavung von Menschen haben könnten. Zu diesen Verdächtigen zählen zweifellos Geheimdienste und Streitkräfte.

Und selbst wenn man Kult-Anhänger auch in diesen Institutionen wähnt, so verstellt man sich durch die Kult-Vorannahme den Blick auf das gesamte Spektrum möglicher Ziele und Motive dieser Verbrechen. Es sollte einleuchten, dass die Aufklärung dieser Straftaten und die Überführung der Täter durch einengende Sichtweisen nicht gerade erleichtert wird.

Natürlich sind schwarze Roben und Teufelsmasken Hinweise, denen man nachgehen muss. Doch seitdem Menschen Verbrechen begehen, neigen sie dazu, falsche Spuren zu legen und eigene Taten anderen in die Schuhe zu schieben.

Okkultisten

Selbstverständlich gibt es weltweit okkultistische Gruppen, deren Weltbild zumindest bei oberflächlicher Betrachtung Menschen verachtend erscheint. Für diese Gruppen hat sich die Bezeichnung ‘Satanisten’ eingebürgert, obwohl sich die meisten dieser Gruppe entschieden gegen eine derartige Einordnung verwahren würden.

Setzt man sich jedoch näher mit den Ideologien dieser Gruppen auseinander, dann stellt man fest, dass diese vielfach aus einem Sammelsurium von Einstellungen bestehen, die auch außerhalb dieser „destruktiven Kulte” weit verbreitet sind.

Man denke beispielsweise an die Einstellung einer ’satanistischen Kirche’, dass man den sozial Schwachen nicht helfen dürfe. Ach, du meine Güte, wie viele Manchester-Liberale, Sozialdarwinisten und Harz-IV-Befürworter denken genauso? Leute mit diesen Einstellungen könnte man natürlich alle als Satansjünger bezeichnen, aber wer außer Fundamentalchristen hätte etwas davon?

Dass diese „destruktiven Kulte” tatsächlich kleine Kinder sexuell missbrauchen, foltern, hypnotisieren, unter Drogen setzen, mit Elektroschocks traktieren, um sie mental zu versklaven, ist keineswegs erwiesen. Es gibt dafür nicht den blassen Anschein eines Beweises. Und es existiert auch keinen Hinweis darauf, dass sich aus den Glaubenslehren dieser Kulte foltergestützte Gehirnwäsche ableiten ließe.

Manche Kult-Kenner tun sich dennoch leicht, ’satanistische Zirkel’ pauschal diesem Verdacht auszusetzen – gelegentlich mit der Einschränkung, dass wahrscheinlich nicht alle so schlimm seien.

  • Mit welchem Recht werden Leute diskriminiert, die nur von ihrer Religionsfreiheit und ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen?
  • Warum spricht man nur so selten und wenn, dann in nebelhaften Formulierungen, von jenen Gruppen, die tatsächlich und nachweislich Menschen gequält, hypnotisiert, mit Elektroschocks traktiert und unter Drogen gesetzt haben, mit dem erklärten Ziel, sie in willenlose Befehlsempfänger zu verwandeln, ohne dass irgendwelche kultischen Motive dabei eine Rolle gespielt hätten?

Die üblichen Verdächtigen

In dem Film ‘Casablanca’ lässt der korrupte Captain Renault immer „die üblichen Verdächtigen” verhaften, wenn ihn an der Aufklärung eines Vorfalls nicht gelegen ist. Da ‘Casablanca’ ein Kult-Film ist, könnte mancher Kult-Versteher auf die Idee kommen, sich den Captain Renault zum Vorbild zu nehmen und die Verhaftung der einschlägigen Satanisten zu fordern (was praktischerweise folgenlos bliebe, da sie nie beim Namen genannt werden).

Doch Ernst beiseite: Hier soll keiner der notorisch in Talkshows auftretenden Kult-Experten verdächtigt werden, er stünde mit den tatsächlichen Tätern im Bunde und verfolge deren Verschleierungsstrategie. Dennoch kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass der eine oder andere Experte, die eine oder andere Expertin für satanisch rituellen Missbrauch immer vor der Versuchung gefeit gewesen sei, mit Apparaten zu kooperieren, die ja letztlich für unser aller Sicherheit sorgen und sich darum weitgehend der demokratischen Kontrolle entziehen müssen.

Es bleibt nichts anderes übrig, als sich an die wenigen handfesten Informationen zu halten und versuchsweise Schlüsse aus ihnen zu ziehen, ohne den Anspruch empirisch erhärteten Wissens zu erheben.

Die Experimente des schottisch-amerikanischen Psychiaters Donald Ewen Cameron (Collins 1988) beispielsweise waren durch das volle Spektrum dessen gekennzeichnet, was in der amerikanischen Literatur als „trauma-based mind control“ bezeichnet und gern Satanisten zugeschrieben wird.

Diese Experimente waren jedoch keine „ideologisch motivierten Verbrechen“.

  • Er selbst bezeichnete sie als „wohltätige Gehirnwäsche“, weil mit ihnen „psychisch schwer kranken Menschen“ geholfen würde. Das von diesem Psychiater vorgeschützte Motiv war also ein ärztliches.
  • Das Motiv seines Auftraggebers, der einen Teil der Kosten übernahm, war ebenfalls kein ideologisches. Der amerikanische Geheimdienst CIA wollte vielmehr herausfinden, ob Camerons „Behandlungsmethoden“ effektiv für seine klandestinen Zwecke genutzt werden konnten. Die Motive der CIA waren also geheimdienstliche.
  • Bei den Experimenten Camerons handelte es sich de facto um einen wesentlichen Bestandteil des CIA-Gehirnwäsche-Projekts MKULTRA.

Gute Christen, böse Satanisten

In deutschen Sprachraum ist eine Arbeit Ulla Fröhlings der bekannteste und einflussreichste Report über angeblichen satanisch rituellen Missbrauch. Er ist gleichsam der Fallbericht, der Michaela Hubers (1995) „theoretische“ Ausarbeitung zur „Multiplen Persönlichkeitsstörung“ veranschaulicht.

Angela Lenz (ein Pseudonym) wurde, so heißt es hier, seit frühester Kindheit bis in ihr Erwachsenenleben absichtlich in eine multiple Persönlichkeit verwandelt. Die künstlich erzeugten Pseudo-Persönlichkeiten wurden mit brutalen Methoden abgerichtet wie Hunde.

Die Journalistin Ulla Fröhling schilderte den Leidensweg dieser Frau in einem Buch mit dem bezeichnenden Titel: „Vater unser in der Hölle“. Die erste Auflage erschien 1996, inzwischen liegt eine zweite, überarbeitete und erweiterte Taschenbuch-Version vor (Fröhling 1996; Fröhling 2008).

Im Kapitel „Exkurs: Satan revisited“ setzt sich die Autorin mit den mutmaßlichen Tätern auseinander, die angeblich Menschen wie ihre Protagonistin Angela Lenz einer Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung unterziehen. Sie beginnt im Stil sattsam bekannter Traktätchen-Literatur:

“Seit Entstehung des Christentums gibt es auch Menschen, die das Gegenteil verehren – wie immer man es nennen mag: Luzifer – den gefallenen Engel -, Satan, den Teufel oder das Böse.“

Was dann über Seiten wortreich an Unsäglichem folgt, lässt sich auf die simple Formel eindampfen: Das Christentum hält die Gläubigen zum Guten an, der Satanismus seine Jünger zum Bösen. Liegt es da nicht nahe, dass Satanisten kleine Kinder foltern, unter Drogen setzen, mit Elektroschocks traktieren, durch Reizentzug desorientieren, hypnotisieren, ihre Persönlichkeit absichtlich spalten und die Persönlichkeitsfragmente für sinistre Ziele dressieren?

Dies ist in der Tat das Hauptargument: Satanisten lieben das Böse und darum ist ihnen alles zuzutrauen. Klar, es gibt da auch noch ein paar untergeordnete Begleitargumente: Satanisten sind überall; weltweit treiben zahllose Kulte und Sekten ihr Unwesen. Es wurden Menschen, die sich zum Satanismus bekannten oder des Satanismus‘ verdächtig waren, wegen abscheulicher Verbrechen verurteilt.

Und dann erst die Ideologie!

“Während Christen Gott demütig um Hilfe bitten (‚aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe, o Herr‘), versuchen Satanisten mit schwarzmagischen Mitteln Macht über ihr eigenes Schicksal zu erzwingen: ‚Tu, was du willst, soll sein das ganze Gesetz – Liebe unter Willen‘, ist der Leitsatz von Aleister Crowley.“

Fakt ist, dass noch keine satanistische Gruppierung überführt wurde, Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung betrieben zu haben. Wer sich in die seriöse, wissenschaftliche Literatur zum Satanismus bzw. Luziferismus versenkt, kann keine eindeutigen Bezüge zwischen diesen Ideologien und der absichtlichen mentalen Versklavung von Kindern entdecken (Frick 1985).

Man kann ja vom Satanismus bzw. Luziferismus halten was man mag, aber man sollte doch nicht so naiv sein zu glauben, dass Satanisten oder Luziferisten die christliche Vorstellung Satans oder Luzifers anbeten. Für diese Leute ist Satan (bzw. Luzifer) ein guter Mann, der die Menschen von der Last einer Menschen verachtenden christlichen Zwangsmoral befreit.

Vor allem aber glaubt der Satanist, dass er als guter Satanist ein schrankenloser Egoist sein müsse. Er wird sich also hüten, zu Ehren Satans Verbrechen zu begehen. So weit geht die Liebe eines Satanisten zu Satan nun doch wieder nicht. Im Übrigen würde Satan, gäbe es ihn und wäre er so, wie die Satanisten glauben, ein solches Opfer auch missbilligen, weil ein schrankenloser Egoist keine Opfer darbringt.

Und wie sieht es mit den guten Christen aus, die ihren Herren beständig um Leitung auf einem gottgerechten Wege anflehen?

  • Hexenverbrennung, schon vergessen?
  • Die Bekehrung der Heiden mit Feuer und Schwert, schon vergessen?
  • Allerchristlichste Diktaturen, überall in der Welt, zum Beispiel in Lateinamerika, schon vergessen?
  • Woher stammen denn die Folterkünste und Foltererfahrungen, die sich die Bewusstseinskontrolleure heute zu nutze machen, wenn nicht aus christlichem Mittelalter und christlicher Neuzeit, wenn nicht aus den Folterkellern der Heiligen Inquisition?
  • Finanzmanipulationen des Vatikans – nur zum Lobe Gottes und zum Wohl der Armen?

Jeder Kriminalist, der rätselhafte Taten aufzuklären hat, fragt sich:

  • Wer hat ein Motiv?
  • Wer hat eine Vorgeschichte vergleichbarer Taten?
  • Verrät der Tathergang etwas über potenzielle Täter?

Richten wir in diesem Sinne unseren Blick auf „God’s Own Country“, auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist bewiesen und nicht nur ein Gerücht, dass CIA-Spezialisten im Rahmen ihrer Gehirnwäsche-Projekte absichtlich multiple Persönlichkeiten erzeugt haben. Es ist erwiesen, dass sie Mandschurische Kandidaten zu produzieren versuchten, also Menschen, die ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen jeden Befehl ausführen, und koste es auch ihr Leben (Ross 2000).

Wir wissen, dass Militär und Geheimdienste dieses Staates, in dem die überwiegende Mehrheit der Bürger und Wähler an den christlichen Gott glaubt, Menschen entführen und foltern (Rejali 2007). Und dann erst die Motive. Nicht die pure Lust am Bösen, wie sie den Satanisten unterstellt wird, könnte der Grund für Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung sein; es könnten vielmehr sehr rationale Ziele vorliegen. Welcher Geheimdienst, welche Streitkräfte hätten denn nicht im Ernstfall Himmelfahrtskommandos zu besetzen?

Lichtblicke

Ja, ich will nicht verhehlen, dass es auch Lichtblicke gibt in diesem Buch Fröhlings. Selbst in der magersten Suppe schwimmen auch ein paar Fettaugen. So viel Fett ist ja schon in den Tränen, die der Koch hineingeweint hat. Nach all dem Satanistenzauber, der sich über mehr als vierhundert Seiten ergießt, lesen wir zum Schluss im Kapitel „Ten Years After“:

“Selten scheint die Wahrheit auf, so wie zum Beispiel am 21. Juni 2007, als die CIA einige Geheimdokumente über dunkle Ecken der eigenen Vergangenheit veröffentlichte. In dürren, kalten Worten ist da die Rede von: ‚Experimenten zur Verhaltensänderungen an ahnungslosen US-Bürgern‘. Manche Überlebende ritueller Gewalt in den USA berichten von diesen Experimenten. Manche in Deutschland auch.“

Selten scheint die Wahrheit auf… ja, in der Tat, auch in Ulla Fröhlings Schrift: „Vater unser in der Hölle.“ Ein Polizist, der mit einem Verbrechen, bei dem Folter-Gehirnwäsche eine Rolle spielt, konfrontiert wird, stellt sich neben den üblichen Fragen (Wer hat ein Motiv? Auf welche Art von Tätern lässt der Tathergang schließen?) vor allem auch die Frage, ob die Täter möglicherweise versucht haben, ihre Spuren zu verwischen oder durch falsche Spuren von sich abzulenken. Der „Satanismus“ bei dieser Art von Verbrechen sieht jedenfalls ganz gewaltig nach einem Täuschungsmanöver aus.

Ein Brief

Angela Lenz unterzog sich einer Psychotherapie, doch auch dieser gelang es nicht, die Horror-Story durch ein Happyend erträglicher zu machen. In der Neuauflage ihres Buchs (2008) druckt Fröhling einen Brief von Angela Lenz an sie vom August 2006 ab. Die Journalistin schreibt dazu, Angela Lenz habe es wohl geschafft, dennoch sei es ein bitterer Brief.

Was ist das Bittere an diesem Brief? Angela Lenz wurde zutiefst enttäuscht. Doch diese Enttäuschungen wären vermeidbar gewesen. Angela Lenz berichtet, dass sie einige sehr kluge Bücher über die Behandlung traumatisierter Menschen in der Hand gehabt habe. Doch leider würde in diesen Büchern nicht gesagt, wie es nach der Therapie weitergehe. Sie fragt:

“Nach der Trauma-Arbeit und der anschließenden ‚Trauerzeit‘ hört doch nicht alles auf. Ist man danach gesund? Was bedeutet das eigentlich, gesund zu sein? Manchmal fühle ich mich kränker als je zuvor. Ist bei mir etwas schiefgelaufen?“

Nein, es ist nichts schiefgelaufen. Dieses Ergebnis war zu erwarten. Leider erwecken manche Psychotherapeuten und Autoren schlauer Bücher falsche Hoffnungen, sei es aus Dummheit, sei es aus Unwissenheit, sei es aus Geschäftsinteressen oder sei es auch in der wohlmeinenden Absicht, die Patienten zu motivieren.

Dabei unterlassen es diese hoffnungsfroh gestimmten Psychotherapeuten und Autoren nicht nur, ihren Klienten mitzuteilen, dass die Möglichkeiten einer Psychotherapie begrenzt sind und nur so weit reichen wie die Selbstheilungsfähigkeit des Betroffenen. Zudem verschweigen sie (oder sie wissen es nicht besser), dass der so genannte satanisch rituelle Missbrauch mit unausweichlichen Konsequenzen verbunden ist, die keine Therapie und sonstige Form der Hilfe nachträglich korrigieren kann. 1)Siehe hierzu meinen Blog-Beitrag: Wahrheit und Psychotherapie

Beim fälschlicherweise so genannten satanisch rituellen Missbrauch, der mit Mind-Control-Methoden operiert, wird die Persönlichkeit des Opfers seit frühester Kindheit mit psychologisch ausgefeilten Methoden systematisch gespalten: u. a. durch den fein abgestimmten Einsatz von Drogen, Folter, Hypnose, sensorischer Deprivation, Elektroschocks und durch eine brutale und erniedrigende „Erziehung“. Das oberste Ziel dieser Maßnahmen besteht darin, die Entwicklung einer integralen Identität, einer in sich geschlossenen, singulären Persönlichkeit gar nicht erst zuzulassen (Lacter 2011).

Denn dies ist die unverzichtbare Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren des multiplen Persönlichkeitssystems im Sinne der Täter. Bildet sich nämlich eine normale, nicht multiple Basispersönlichkeit, dann wird diese immer wieder hervortreten. Keine Gewalt und keine psychologische Raffinesse können dies verhindern.

Woran liegt das? Diese Frage kann auf Basis der gegenwärtigen psychologischen Erkenntnis nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Eine Hypothese sei erlaubt:

Die Identitätsentwicklung beginnt in einer sehr frühen Phase des menschlichen Lebens; ein Identitätskern wird bereits in früher Kindheit geschaffen. Dieser Identitätskern entsteht nicht in einem simplen Lernprozess, sondern es handelt sich um eine Prägung. Sie vollzieht sich rasend schnell. Anders als beim normalen Lernen bedarf sie keiner beständigen Wiederholung. Es genügt, wenn die identitätsstiftenden Interaktionen einmal vollzogen werden. Der Identitätskern entwickelt sich natürlich auf Grundlage genetischer Dispositionen. Die Feinheiten und Nuancen der Persönlichkeit bilden sich dann später auf dieser Basis durch Konditionierungen heraus. Dies ist in der Regel ein lebenslanger Prozess, auf Grundlage einer Weichenstellung in früher Kindheit.

Hat sich also eine integrale Basis-Persönlichkeit etabliert, dann können die Täter nur noch ein oberflächliches, instabiles multiples Persönlichkeitssystem ausprägen, das sich schnell wieder verflüchtigt. Es gibt eindrucksvolle Experimente (z. B. Kampman 1976), die belegen, dass man bei gut hypnotisierbaren Erwachsenen eine künstliche multiple Persönlichkeit hervorrufen kann, doch diese ist im Regelfall nicht sehr belastbar. Schon nach kurzer Zeit tritt in aller Regel die Originalpersönlichkeit wieder hervor.

Auch Stress-Situationen hält die hypnotisch induzierte multiple Persönlichkeit nicht stand, weil das Individuum in solchen Situationen reflexhaft und gewohnheitsmäßig reagiert. Dann tritt natürlich die Ursprungspersönlichkeit wieder hervor. Diese kann aber nur wiederkehren, wenn sie sich zuvor herausgebildet hat. Und aus diesem Grunde beginnen die Bewusstseinskontrolleure mit ihrer Arbeit in frühester Kindheit.

    • Sie konditionieren ein multiples anstelle eines integralen Systems.
    • Sie konditionieren zudem ein multiples System, das nicht zum Widerstand gegen ihre Kommandos in der Lage ist.
    • Sie konditionieren ein multiples System, das nichts anderes kennt als Unterwerfung unter den Willen der Täter.
    • Sie konditionieren ein multiples System, das sich abgrundtief unsicher fühlt bei der leisesten Regung eines abweichenden Willens.
    • Sie konditionieren schließlich ein multiples System, das nur eine Frontperson zum Bewusstsein zulässt – und diese Frontperson weiß nicht, dass sie keine integrale Persönlichkeit ist, sie weiß nicht, dass sie ein mentaler Sklave ist.
    • Sie benutzen zur Konditionierung Hypnose, Folter und Belohnungen, diverse Drogen, Elektrokrampfbehandlung, systematischen Reizentzug sowie andere geeignete Verfahren aus dem Spektrum der Psychiatrie und Neurologie (Lacter 2011).

Keine Therapie, keine sonstwie geartete Maßnahme kann die „Alters“ einer so systematisch gespaltenen Persönlichkeit „verschmelzen“. Ein seit frühester Kindheit in dieser Weise traktierter Mensch bleibt immer multipel. Hat sich das Zeitfenster für die Entwicklung einer authentischen Persönlichkeit geschlossen, wird es sich nie wieder öffnen.

Ein Kind, das Opfer einer solchen Prozedur geworden ist, lernt in einer sehr frühen Phase seiner Entwicklung, das eigene mentale Leben in Form von Multiplizität zu organisieren, d. h. unterschiedliche situative Anforderungen auf unterschiedliche Persönlichkeiten (Alters) zu verteilen. Diese Lernprozesse werden durch Folter (aversive Konditionierung) zementiert. Ein solches Kind hat gar nicht die Chance, mit der Entwicklung einer normalen Persönlichkeit in jener Zeit zu beginnen, in der üblicherweise die Fundamente dafür gelegt werden. Dieses Kind hat zwar ein kein gespaltenes Ich, aber dieses integrale Ich hat nie etwas anderes gelernt, als, den Anweisungen der Täter entsprechend, diverse Pseudo-Persönlichkeiten auszuprägen und voneinander getrennt zu halten.

Das Ich ist, für sich genommen, nur eine formale, inhaltsleere Struktur; seine Aufgabe besteht darin, Phänomene dem eigenen Leib (Körper-Seele) oder der Umwelt zuzuschreiben. Es ist im Grunde nichts anderes als das in selbstreferenziellen Sätzen ausgedrückte Subjekt. Wenn das Ich eines multiplen Systems also beispielsweise einen bestimmten Code hört, wird es sich die Persönlichkeit A zuordnen und die Persönlichkeit B, wenn es einen anderen Code hört – je nachdem, was ihm die Täter zuvor eingehämmert haben.

Es ist durchaus denkbar (und wahrscheinlich), dass die auf selbstbezüglichen Sätzen beruhenden Zuordnungen unbewusst verlaufen. Natürlich kann eine geschickte Therapeutin einen solchen Menschen dazu bringen, sich eine integrierte Persönlichkeit zuzuschreiben, aber, da der Zug bereits in früher Kindheit abgefahren ist, wird dieser Mensch dann dennoch keine integrierte Persönlichkeit sein.

Lacter (2011) und andere Traumatherapeutinnen würden diesem therapeutischen Pessimismus zwar widersprechen; es gibt aber keine Studien, die einen therapeutischen Optimismus erhärten. Eine Therapie kann bestenfalls die volle Bewusstheit der Multiplizität erreichen und sie kann den Sklaven befreien, ihn befähigen, den Kommandos der Täter zu widerstehen. Aber sie kann nicht rückgängig machen, was aus psycho-biologischen Gründen nicht rückgängig gemacht werden kann: die multiple Identität.

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei hinzugefügt, dass diese multiple Identität nichts mit dem „Krankheitsbild“ der „Multiplen Persönlichkeitsstörung“ zu tun hat, das sich angeblich als spontane Reaktion auf Extremstress in früher Kindheit herausbilden soll.2)Diese Diagnose ist, wie alle psychiatrischen Diagnosen, eine Fiktion.

Ein Betroffener kann zwar lernen, sich nach außen als integrale Persönlichkeit darzustellen; und vielleicht glaubt er selbst einmal daran, eine solche zu sein. Aber das ist dennoch nur eine Simulation. Denn die Einheit der Persönlichkeit beruht auf der Erinnerung an ein einheitlich gelebtes Leben – und genau daran kann sich das Opfer foltergestützter Bewusstseinskontrolle eben nicht erinnern.

Und so schreibt Angela Lenz einerseits zwar:

“Klar, vieles hat sich verbessert und ist einfacher geworden. Ich falle nicht mehr auf und bekomme mein Leben halbwegs geregelt. Ich muss nicht mehr ständig Angst haben, dass ein anderer Teil von mir etwas tut, was ich nicht mitbekomme. Ich muss keine Angst mehr haben, dass ‚ich‘ Dinge tue, durch die ich wieder Ärger bekomme.“

Ja, in der Tat, und das ist ein großes Geschenk! Doch andererseits, so schreibt Angela Lenz in ihrem Brief, eine wirkliche Einheit sei sie immer noch nicht. Die Automatismen seien immer noch da. Die Persönlichkeitswechsel orientierten sich nicht an dem, was gut tue, sondern was in der Außenwelt gerade gebraucht werde. Dadurch fühle sie sich fremdbestimmt, isoliert und einsam.

Kurzum: Angela Lenz ist aus einem mentalen Roboter, der bestimmte Eigentümer hatte, zu einem herrenlosen Roboter geworden, der vieler Herren Diener sein kann. Bosse, die andere Menschen gern nach ihrer Pfeife tanzen lassen und ausbeuten, könnten sich eigentlich glücklich schätzen, hätten sie so eine wie Angela Lenz. Sie ist nun eine unausgefüllte Persönlichkeitsmatrix für die Bedürfnisse des Kapitalismus im Allgemeinen und der psychiatrisch-psychotherapeutischen Bewusstseinsindustrie im Besonderen.

“Das Schlimmste ist, dass ich durch diese ‚Gesundung‘ nun fast alles aus meinem Leben weiß. Und ich weiß es nicht nur, ich spüre es auch. Das, was sich auf viele Anteile verteilt hatte, weil es sonst für eine Person zu viel gewesen wäre, habe ich nun alles auf einmal. Trauma-Arbeit hat geholfen, dass nicht mehr alles so extrem schlimm ist wie früher. Nein, ich bin nicht ‚gesünder‘. Ich bin nur ‚anders‘ geworden.“

…dass nicht mehr alles so schlimm ist…

Jede Erleichterung ist natürlich begrüßenswert, aber das reicht nicht. Man sollte Klientinnen und Klienten nicht als Schattenexistenzen zurücklassen, die froh sein können, wenn sie den Anforderungen anderer genügen. Opfer von Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung haben immer noch eine Chance, ihr Leben mit Sinn zu erfüllen. Um mit Victor Frankl zu sprechen: Sie können die Trotzmacht des Geistes nutzen. Sie können lernen, ein multiples System ohne fremde Herren zu sein.

Dazu gehört es auch, die früheren Herren zu kennen und ihre Motive zu begreifen. Was waren denn das für „Satanisten“? Welche Uniform kommt zum Vorschein, wenn sie daheim ihre Satanskutten ablegen? Dieses Wissen aber halten die meisten Traumatherapeutinnen offenbar für entbehrlich.

Hinter den Satansmasken

Fraglos verhöhnen Satanisten die christliche Moral und es wurden auch schon Anhänger von Ideologien dieser Art einschlägiger, teilweise höchst abscheulicher Verbrechen überführt. Zu diesen Verbrechen zählte aber nicht die mentale Versklavung von Menschen durch Drogen, Folter, Hypnose, sensorische Deprivation, Elektroschocks u. ä. Zahllose Opfer in vielen Weltgegenden berichten allerdings, sie seien von Satanisten einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Nicht alle, aber doch ein substanzieller Teil dieser Berichte klingt glaubwürdig.

Ein Muster von Merkmalen taucht in diesen Berichten häufiger auf, als dem Zufall nach zu erwarten wäre:

  • Die Täter arbeiteten offenbar nach einem Manual. Ihr Vorgehen war systematisch und psychologisch wohl begründet.
  • Die Täter waren Experten, die ihr Handwerk verstanden. Viele waren offenbar Psychiater, Psychologen oder andere professionelle Psycho-Spezialisten.
  • Die Täter operieren weltweit nach demselben System der Bewusstseinskontrolle, die Variationen sind eher nebensächlich.
  • Die Täter waren in der Lage, Jugendämter, Polizei, Staatsanwälte, Richter und andere Verantwortliche im Umfeld ihrer Opfer zu kontrollieren.
  • Das Ziel der Täter bestand darin, die Opfer zu bedingungslosem Gehorsam abzurichten und deren Erinnerung an die Tatsache der Dressur zu blockieren.
  • Die Täter verfügten über genügend Mittel, um diese aufwändige Prozedur, die sich über viele Jahre erstreckt, zu finanzieren.
  • Die Täter waren Mitglieder einer auf Dauer angelegten Organisation, die einen derart langfristigen Prozess zu realisieren in der Lage ist.

Und nun fragen wir uns, welche Menschengruppen auf diesem Planeten in der Lage wären, diese Bedingungen zu erfüllen. Satanisten? Was müssten das wohl für Satanisten sein? Doch wohl nur solche, die bei den Herren der Welt aus- und eingehen. Oder gar zu diesen zählen. Auch wenn das internationale Großbürgertum nicht unbedingt ein Hort der Tugend ist, kann man sich nur schwer vorstellen, dass diese Leute gern direkten Kontakt mit Gestalten pflegen, die kleine Kinder foltern und in jeder erdenklichen Hinsicht bestialisch misshandeln und missbrauchen – und zwar aus kultischen Gründen, also ohne jeden Nutzen für jene, die Reichtum, die unermesslichen Reichtum zu verteidigen haben.

Sind gar Geheimgesellschaften am Werke, z. B. die legendenumwobenen Illuminaten? Auch wenn Verschwörungstheorien valider sind als ihr Ruf, weil die menschliche Geschichte bekanntermaßen seit Adam und Eva eine Kette von Verschwörungen war, so spricht doch viel dafür, dass wir in diesem Falle mit einer weniger spektakulären Erklärung vorlieb nehmen sollten.

Werfen wir doch einfach die bereits erwähnten Fragen auf, die sich jeder Kriminalist stellt, der eine Ermittlung beginnt:

  1. Wer hat ein Motiv, wem nützt die Tat?
  2. Verrät der Tathergang etwas über den Täter?
  3. Wurden Spuren verwischt oder falsche Spuren gelegt?

Zu 1: Ein starkes Motiv haben selbstverständlich Geheimdienste und Streitkräfte. In diesen Bereichen braucht man für alle Arten von Himmelfahrtskommandos Menschen, die bedingungslos gehorchen, und koste es auch das eigene Leben.
Zu 2: Wen wundert es da, dass beispielsweise der Geheimdienst CIA seit seiner Gründung nach Möglichkeiten suchte, Menschen mental zu versklaven und so gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen zu Handlungen zu zwingen, die ihren eigenen Interessen widersprechen, ja, sogar dem Selbsterhaltungstrieb. Wir wissen aus inzwischen freigegebenen Akten, dass dieser Geheimdienst zu diesem Zwecke mit Drogen, Hypnose, Folter, Elektroschocks, sensorischer Deprivation und allen erdenklichen Verfahren zur Bewusstseins- und Persönlichkeitsspaltung experimentierte.
Zu 3: Es ist wirklich schwer zu glauben, dass Täter, die derart verabscheuungswürdige Verbrechen begehen, ihren Opfern ihre wahre Identität verraten. Sie müssen ja mit Versagern rechnen, also mit Opfern, die sich später an die Gehirnwäsche erinnern, auch wenn diese darauf abzielte, ihr Gedächtnis selektiv zu manipulieren. Satanisten? Echte? Oder kommen, wenn die Satansroben fallen, Uniformen oder die Trenchcoats von Agenten zum Vorschein?

Das Motto einer der prägenden Gestalten der Geheimdienstszene im 20. Jahrhundert, des CIA-Direktors Allen Dulles lautete:

“Nichts ist, was es zu sein scheint!“

Auch wenn dies nicht nur übertrieben klingt, sondern ist, kann es dennoch kaum überraschen, dass ein erfolgreicher Oberspion so denkt. Im vorliegenden Fall aber ist dieses Motto zutreffend. Der so genannte satanisch rituelle Missbrauch ist aus meiner Sicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das, was er zu sein scheint. Die Bewusstseinskontrollmethoden, die von den angeblichen Satanisten eingesetzt werden, beruhen im Kern auf Verfahren, die von der Militärpsychiatrie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Behandlung von Kriegshysterikern entwickelt wurden. Diese Behandlung bestand aus der Kombination zweier psychiatrischer Verfahren, die bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts voll ausgereift waren, nämlich

  • die „Therapie“ mit schmerzhaften elektrischen Strömen und
  • die systematische Persönlichkeitsspaltung durch Hypnose.

Durch diese Methodenkombination machte die Militärpsychiatrie im 1. und 2. Weltkrieg Soldaten, die im Stahlgewitter psychisch dekompensiert waren, wieder fit für die Front oder zumindest für die Rüstungsindustrie.

Es kann natürlich sein, dass Satanisten diesen Methodenmix aufgegriffen haben, um – warum auch immer. Tatsache ist, dass Geheimdienste und Streitkräfte in den Vereinigten Staaten (und höchstwahrscheinlich auch anderswo) mit oben genannten und verwandten Methoden versuchten, Menschen zu manipulieren. Das Endziel: der bedingungslos gehorsame „Manchurian Candidate“.3)Die Dressur eines „Manchurian Candidate“ von Kindesbeinen an beschreibe ich in meinem Roman: „Ein Mann mit acht Augen“.

Literatur

Becker, T. (2008). Re-Searching for New Perspectives: Ritual Abuse / Ritual Violence as Ideologically Motivated Crime. In: Noblitt, R. & Perskin Noblitt, P. (eds.) Ritual Abuse in the Twenty-First Century. Psychological, Forensic, Social, and Political Considerations. Bandon, OR: Robert D. Reed Publishers

Bowart, W. H. (1994). Operation Mind Control. Revised and Expanded Researchers Edition. Fort Bragg, Ca.: Flatland Editions

Collins, A. (1988). In the Sleep Room. The Story of the CIA Brainwashing Experiments in Canada. Toronto, Lester & Orpen Dennys Ltd.

Frick, K. R. H. (1985). Die Satanisten. Graz: Akademische Druck- u. Verlagsanstalt Fröhling, U. (1996, 2008). Vater unser in der Hölle. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe

Fröhling, U. (1996). Vater unser in der Hölle. Seelze-Velber: Kallmeyer’sche

Fröhling, U. (2008). Vater unser in der Hölle. Überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe. Bergisch-Glasbach: Bastei Lübbe

Huber, M. (1995). Multiple Persönlichkeiten. Überlebende extremer Gewalt. Ein Handbuch. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch

Kampman, R. (1976). Hypnotically induced multiple personality: an experimental study. The International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 1976, Vol. XXIV. No. 3, 215-227

Lacter, E. (2011). Torture-based mind control: psychological mechanisms and psychotherapeutic approaches to overcoming mind control. In: Epstein, O. B. et al. (Hrsg.). Ritual Abuse and Mind Control: The Manipulation of Attachment Needs, London: Karnac Books, Seiten 57-142

Marks, J. (1979, reprint 1991). The Search for the „Manchurian Candidate”. New York, NY: W. W. Norton

Moreno, J. D. (2000). Undue Risk. Secret State Experiments on Humans. New York: W. H. Freeman and Company

Prados, J. (1996). President’s Secret Wars. CIA and Pentagon Covert Operations from World War II Through the Persian Gulf. Chicago: Elephant Paperbacks

Rejali, D. (2007). Torture and Democracy. Princeton and Oxford: Princeton University Press

Ross, C. A. (2000). Bluebird. Deliberate Creation of Multiple Personality By Psychiatrists. Richardson, TX: Manitou Communications

Fußnoten   [ + ]

1. Siehe hierzu meinen Blog-Beitrag: Wahrheit und Psychotherapie
2. Diese Diagnose ist, wie alle psychiatrischen Diagnosen, eine Fiktion.
3. Die Dressur eines „Manchurian Candidate“ von Kindesbeinen an beschreibe ich in meinem Roman: „Ein Mann mit acht Augen“.

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