Rechts

Die AfD mag ich nicht. Dies könnte ich politisch begründen – mit Zahlen und Fakten, Theorie. Aber es geht hier ja um ein Gefühl und woher es rührt. Es ist diese Geringschätzung, ja Verachtung der kleinen Leute, die ich selbst bei AfD-Funktionären spüre, die sich aus prekären Verhältnissen emporgearbeitet haben.

Man mag mir das Programm entgegenhalten. Man mag von den Segnungen sprechen, die es gerade für die Leute mit spärlichem Einkommen bereithielte. All dies verfängt nicht bei mir. Ich kenne diesen Sound. Diesen Tonfall. Diese Herablassung. Das reicht mir. Nein, ich mag die AfD nicht.

Gestern bei Maischberger. Da saß auch eine Frau aus dieser Partei in der Talk-Runde. Den Namen kann ich mir nicht merken. Ist aber auch egal. Wer die Sendung gesehen hat, weiß, wen ich meine.

Im Verlauf der Talkshow wurde mir diese Dame sympathisch. Nicht etwa, weil sie besonders Kluges gesagt hätte. Nicht etwa, weil sie rhetorisch geglänzt hätte. Sie wirkte wie immer auf mich, wie eine Holzpuppe, die eine engagierte Politikerin verkörpert.

Es ging um etwas anderes. Maischberger, Maas und Pfeiffer, ihre Hauptkontrahenten haben es geschafft, dass mir jeder andere sympathisch gewesen wäre, sogar das unheimliche Monster aus dem Sumpf, das in Äonen niemand, niemand je geliebt hat.

Statt mit dieser AfD-Frau zu diskutieren, unterzog man sie einer rituellen Abstrafung. Man sollte sich daran gewöhnt haben, denn dieses Schauspiel wiederholt sich seit geraumer Zeit immer und immer wieder. Mit einer Penetranz, die atemberaubend ist, forderte Maischberger sie hartnäckig dazu auf, zu irgendwelchen Äußerungen andere AfD-Funktionäre Stellung zu nehmen. Ich kann mich nicht daran gewöhnen. Gestern wurde ich richtig zornig vor dem Fernseher. Das will was heißen.

„Was sagen Sie denn dazu, dass Y und X dieses oder jenes gesagt hat?“ Dieses oder jenes wird natürlich nicht im Kontext präsentiert, und wenn die AfD-Frau versucht, diesen herzustellen, quasseln ihr die Inquisitoren schon wieder dazwischen. Nein, so geht man noch nicht einmal mit seinem ärgsten Feind um.

Nein, so geht man noch nicht einmal mit dem übelsten Dämonen unter der Sonne um. Schon aus Eigeninteresse. Weil man sich selbst durch einen solchen Stil diskreditiert. Das weckt einen Verdacht, nämlich: Die machen das, weil es von ihnen erwartet wird. Und diese Erwartung müssen sie erfüllen, wenn sie sich auch weiterhin für ihre Jobs empfehlen wollen.

Der Zuschauer bleibt natürlich auf der Strecke. Was der Herr Gauland vor ein paar Monaten oder gar Jahren gesagt hat, das könnte ja interessant gewesen sein, als er es sagte. Aber doch nicht immer und immer wieder. Was denken sich diese Gestalten dabei? Zahlen wir dafür etwa Fernsehgebühren?

Nein, die AfD ist nicht mein Fall. Und die hölzerne Dame, die sich gestern im Übrigen trotz allem ganz wacker geschlagen hat, würde ich niemals wählen. Nun aber kann ich nicht anders als zu bekunden: Maischberger und Co. haben es geschafft: Diese Frau ist mir ja so sympathisch. Ich fasse es nicht. Und Maischberger und Co. sind mir ja sowas von unsympathisch.

Aber nicht nur Maischberger, auch ihre Kombattanten Maas und Pfeiffer haben sich danebenbenommen. Der Minister behandelt sie mit einer Herablassung, die einem die Blut in den Adern gefrieren lässt. Und der Professor – und im Grunde ist es ja erfreulich für ihn, dass ihn immerhin das Fernsehen noch ernst nimmt – dieser Professor also führt sich auf, als sei es eine Majestätsbeleidigung, ja, verschwörerische Rebellion, Dinge anders zu sehen als er, weil er ja Wissenschaftler und für das Gute ist.

Mir einen Fernsehzuschauer vorzustellen, der sich angesichts dieses Niveaus nicht instinktiv auf die Seite der Dame von der AfD geschlagen hat, fällt mir ziemlich schwer. Vielleicht gefällt das Leuten mit schlechtem Gedächtnis. Dem Goldfisch wird es bei seinen pausenlosen Runden im Goldfischglas ja auch nicht langweilig. Er kann sich nämlich an die vorherigen Runden nicht mehr erinnern.

Die AfD hat kein Herz für die kleinen Leute. Jedenfalls kann ich keines schlagen hören. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum viele Menschen mit niedrigem Einkommen die wählen. Mag sein, dass dieser Stil, den Maischberger, Maas und Pfeiffer gestern verkörperten und der repräsentativ ist für unser politisches System – mag durchaus sein, dass dieser Stil die kleinen Leute noch mehr abstößt als alles andere.

5 Antworten auf „Rechts“

  1. Sehr geehrter Herr Gresch,

    so wie man derzeit mit dem „Problem“ AFD umgeht, fördert man diese nur. Es handelt sich (noch) nicht um eine Neonazi-Partei. Obwohl rechtaußen, sollten man diese nicht völlig an den Rand drängen und von Diskussion und Gespräch völlig ausschließen. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Das führt nur dazu, das die AFD von sich behaupten kann, sie würde diskriminiert. Am Besten ist es, diese äußern sich offen und stellen sich so bloß. Schließlich kann man diese Partei nur an Hand ihrer Äußerungen bewerten. Und da gibt es genug, was rassistisch oder ausgrenzend ist. Außerdem kommt jetzt trotz aller „Political Correctness“ zum Vorschein, dass es in unserer Gesellschaft einen Bodensatz von Rassisten und Chauvinisten gibt – und immer gegeben haben dürfte.

    MfG

    Silvia B.

    1. Idealerweise sollten die Abgeordneten eines Parlaments alle im Volk relevanten Sichtweisen widerspiegeln, damit sie dort artikuliert und zur Grundlage politischer Entscheidungen gemacht werden können. Da AfD vertritt offensichtlich einen nennenswerten Teil der Wähler und daher ist es auch begrüßenswert, dass diese Bürger, vermittelt über ihre Volksvertreter von der AfD, am Diskurs teilnehmen können. Auch wenn mir die Auffassungen dieses Teils unseres Volkes ganz und gar nicht behagen, so muss ich als Demokrat selbstverständlich dafür eintreten, dass sie Gegenstand einer sachlichen Debatte in den politischen Entscheidungsgremien unseres Landes werden können. Wer meint, nur ihm genehme Parteien dürften ins Parlament gewählt werden, hat wohl das Prinzip der Demokratie nicht verstanden. In einer funktionierenden Demokratie halten sich Rechte und Linke, Konservative und Progressive, Individualisten und Kollektivisten, Nationalisten und Internationalisten gegenseitig in Schach. Damit diese Balance sich entfalten kann, muss sie sich ungestört entwickeln können.

      1. Sehr geehrter Herr Gresch,

        da gebe ich Ihnen Recht. Und das kann sehr wohl daneben gehen, wie das Beispiel von 1933 belegt. Schließlich bekamen die Nationalsozialisten immer mehr Stimmen. Die wurden damals von sehr vielen Deutschen gewählt. Auch wenn viele Menschen dieses später (vor allem nach dem Krieg!) verdrängten. Die Machtergreifung Adolf Hitlers war meiner Meinung nach kein Putsch! Erst nachdem die NSDAP mit der Regierungsbildung betraut worden war, richteten diese ihre Diktatur ein.

        MfG

        Silvia B.

        1. Wer Demokratie will, geht ein Risiko ein. Er läuft Gefahr, dass die Wähler böse Menschen an die Macht bringen. Wer keine Demokratie will, geht ein noch viel größeres Risiko ein. Denn er will das Volk der Möglichkeit berauben, gute Menschen zu wählen und böse abzuwählen. Nichts, nichts ist in der Politik zum Nulltarif zu haben, erst recht nichts Gutes. Erfolg verspricht auch nichts Halbgares in der Politik. Entweder man ist Demokrat oder man ist es nicht. Wer sich zur Demokratie bekennt, muss das genannte Risiko uneingeschränkt auf sich nämlich. Ein bisschen Demokrat – das geht ebenso wenig wie ein bisschen schwanger. Was die Reaktion mancher „Demokraten“ gegen die AfD betrifft, so kommen diese mir vor, als seinen sie „ein bisschen schwanger“ mit Demokratie, hätten aber schon deren Abtreibung im Sinn – aus Sicherheitsgründen, aus Furcht davor, ein Geschlecht von Monstern heranzuzüchten.

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