Persönlichkeitsstörungen

Was ist eigentlich die Persönlichkeit?

Solange nicht von uns verlangt wird, diesen Begriff zu definieren, glauben die meisten von uns zu wissen, was „Persönlichkeit“ bedeutet. Wie selbstverständlich verwenden wir diesen Begriff, als ob er klar und eindeutig wäre. Dies geht so weit, dass wir manchen sogar die Persönlichkeit absprechen. Wenn jemand „keine Persönlichkeit ist“, dann erscheint uns sein Profil konturlos, er ist ein Blatt im Wind, er wirkt fremdbestimmt, sich selbst entfremdet.

Die alltägliche Gewissheit ist eine Frucht der Gedankenlosigkeit. Die Wissenschaft jedoch muss sich Gewissheit erst in einem mühevollen und langwierigen Prozess durch Gedankenarbeit aneignen. Die Persönlichkeitspsychologie ist zwar nicht so naiv und reflexionslos wie das Alltagsdenken, aber sie ist auch keine entwickelte, reife Wissenschaft wie die Physik oder Chemie.

In diesen echten Wissenschaften herrscht weitgehende Einigkeit hinsichtlich der Grundbegriffe und der elementaren Theorien. In der Persönlichkeitspsychologie gibt es jedoch keine allgemein verbindliche Fachsprache; und zahllose Theorien konkurrieren miteinander, die sich teilweise sogar fundamental widersprechen.

„Bei dem Konstrukt ‚Persönlichkeit’“,

schreiben Amelang und Bartussek in ihrem Lehrbuch zur Differenziellen Psychologie und Persönlichkeitsforschung (1997:40 f.),

„… handelt es sich um ein ‚extrem allgemeines Konstrukt’… Es stellt gleichsam die Summe der auf menschliches Erleben und Verhalten bezogenen Konstrukte, deren Wechselbeziehungen untereinander und Interaktionen mit organismischen, situativen und Außenvariablen dar… Eine solche Auffassung folgt dem in der Literatur (…) feststellbaren Konsensus, Persönlichkeit nicht mit dem konkreten Verhalten in einer spezifischen Situation gleichzusetzen, sondern darunter ‚ein bei jedem Menschen einzigartiges, relativ überdauerndes und stabiles Verhaltenskorrelat‘ zu verstehen… Entsprechend befasst sich die Persönlichkeitspsychologie mit der Erforschung des besagten Verhaltenskorrelats, den Gesichtspunkten der generellen Organisation und Stabilität von Traits bei mehreren Personen sowie deren einzigartigen Manifestationen im Individualfall.“

Der Versuch, dass Verbindende der diversen Persönlichkeitskonstrukte herauszuarbeiten, führt also nur zu sehr vagen und allgemeinen Bestimmungen, die sich auf die Erkenntnis eindampfen lassen: Wenn sich menschliches Verhalten nicht nahtlos aus den Bedingungen der Situation erklären lässt, kommt die „Persönlichkeit“ gleichsam als Lückenbüßer in Betracht. Niemand steht beispielsweise im Supermarkt persönlichkeitsbedingt brav in der Schlange an, sondern er entspricht der Konvention. Versucht er aber, sich vorzudrängen („Ich habe nur ein Teil, darf ich eben schnell?“), dann macht man sich Gedanken über seine Persönlichkeit.

Grundmuster

Die Persönlichkeitstheorien lassen sich grob in sieben Grundmuster unterteilen: Typen- und Eigenschaftstheorien sowie psychodynamische, phänomenologische, behaviorale, dialektische und neurodynamische Theorien. Diese Unterteilung ist weder erschöpfend, noch zwingend. Sie hat keine empirische oder theoretische Basis, sondern sie ergibt sich aus der Durchsicht relevanter Literatur. Vermutlich dürften sich die wichtigsten Persönlichkeitstheorien in dieses Schema einordnen lassen.

Typentheorien

Die ältesten Persönlichkeitstheorien sind die Typentheorien, die bereits im Altertum verbreitet waren. Die wohl bekannteste Typentheorie ist die Einteilung der Temperamente durch den Arzt Galen. Er unterschied das melancholische, cholerische, phlegmatische und sanguinische Temperament. Galen leitete seine „Temperamentenlehre“ aus seiner Humoralpathologie ab, die bis in 19. Jahrhundert das medizinische Denken beherrschte, inzwischen aber durch naturwissenschaftliche Ansätze abgelöst wurde. Derartige Theorien sind heute nur noch von historischen Interesse, obwohl sie sich in der Alltagspsychologie noch einer gewissen Beliebtheit erfreuen.

Eigenschaftstheorien

Da die Einteilung der Menschen in eine begrenzte Zahl von Typen doch als allzu simpel erscheint, wurden im 20. Jahrhundert Eigenschaftstheorien entwickelt und mit statistischen Methoden erforscht. Aus Sicht der Eigenschaftstheorien kann die menschliche Persönlichkeit durch eine begrenzte Zahl von Grundmerkmalen mit individuell unterschiedlicher, messbarer Ausprägung beschrieben werden.
Der bedeutende deutsch-britische Psychologe Hans Eisenck behauptete, dass drei fundamentale Dimensionen zur Charakterisierung der menschlichen Persönlichkeit ausreichen:
Psychotizismus (z. B. antisoziale Verhaltensweisen, Ablehnung verbindlicher Normen),
Introversion – Extraversion und
emotionale Stabilität.
Inzwischen hat sich der wissenschaftliche Mainstream darauf geeinigt, fünf grundlegende, voneinander unabhängige Persönlichkeitsdimensionen anzunehmen, die als „Big Five“ bezeichnet werden, nämlich
„Neurotizismus“
„Introversion / Extraversion“
„Offenheit für Erfahrungen“
„Verträglichkeit sowie
– „Rigidität / Gewissenhaftigkeit“
.

Psychodynamische Theorien

Persönlichkeitstheorien, die unbewussten Prozessen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung und Stabilisierung der Persönlichkeit einräumen, werden als psychodynamisch bezeichnet. Als Vater dieser Denkrichtung kann der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud gelten – es gibt inzwischen allerdings auch psychodynamische Persönlichkeitstheorien, die sich (teilweise) im Widerspruch zur Lehre Freuds entwickelt haben.
Für Freud und seine Schüler sind intrapsychische, meist unbewusste Konflikte bzw. Defizite der psychischen Entwicklung eine wesentliche Quelle der Persönlichkeit. Störungen in der analen Phase der psychosexuellen Entwicklung können beispielsweise zu einem analen Charakter führen, der sich durch Kontrollbedürfnis, Sparsamkeit, Eigensinn und Genauigkeit auszeichnet (Ahrens 1997:93 f.).

Phänomenologische Theorien

Aus Sicht der phänomenologischen Theorien ist das oberste Ziel des Menschen die Selbstverwirklichung. Die Individuen unterscheiden sich hinsichtlich des Stellenwerts, den dieser höchste Wert in der Hierarchie ihrer Bedürfnisse einnimmt. Das bekannteste Modell dieser Schule ist die Bedürfnis-Pyramide Abraham Maslows. Die Basis der Pyramide bilden die physiologischen Bedürfnisse wie Essen und Trinken. Darüber finden sich die Bedürfnisse nach Sicherheit, gefolgt von den sozialen Bedürfnissen und den Bedürfnissen nach Achtung und Wertschätzung. An der Spitze der Pyramide stehen dann die Bedürfnisse der Selbstverwirklichung (Maslow 1977).
Carl Rogers unterschied zwischen einem aktuellen und einem idealen Selbst. Die Persönlichkeit ist destabilisiert, wenn beide Konzepte nicht zusammenpassen oder wenn das Ideal nicht verwirklichen lässt. Auf dem Wege zur Selbstverwirklichung und damit optimalen Entfaltung der Persönlichkeit befindet man sich, wenn man in der Lage ist, sich selbst mit allen Stärken, Schwächen und Erwartungen unverfälscht wahrzunehmen (Rogers 2009).

Behaviorale Theorien

Für die behavioralen Theorien ist die menschliche Persönlichkeit ein Verhaltensrepertoire. Dieses relativ stabile Muster charakteristischer Verhaltensweisen entsteht durch Lernprozesse. Die klassischen Behavioristen konzentrierten sich dabei nur auf das beobachtbare Verhalten, weil sie innere Prozesse als der wissenschaftlichen Forschung unzugänglich betrachteten.
Neuere kognitiv-behaviorale Ansätze berücksichtigen jedoch auch Prozesse in der menschlichen Innenwelt. Nach dieser Auffassung haben verallgemeinerte Erwartungen und Selbsteinschätzungen eine zugleich verhaltenssteuernde und persönlichkeitsbildende Funktion. Anders als in den psychodynamischen Theorien spielt die frühe Kindheit in den behavioralen Theorien keine herausgehobene Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung. Vielmehr entwickelt sich die Persönlichkeit aus dieser Sicht während der gesamten Lebensspanne unter dem Einfluss von Konditionierungen, also von positiven oder negativen Konsequenzen des Verhaltens (Holth 2003).

Dialektische Theorien

Für die dialektischen Persönlichkeitstheorien ist der Mensch ein widersprüchliches Wesen – und zu diesen Widersprüchen zählt auch die häufige Verleugnung der eigenen Widersprüchlichkeit. Die inneren Widersprüche – z. B. zwischen Pflicht und Neigung, Sex und Liebe, Realismus und Idealismus – sind der Motor jeder Entwicklung der Persönlichkeit.
Für Erich Fromm ist der menschliche Charakter gesellschaftlich geprägt. Die meisten Menschen entwickeln Charakterstrukturen, die ihrer Position im gesellschaftlichen Gefüge entsprechen. Dabei ist der Charakter aber nicht vollständig fixiert; es können sich unterschiedliche Orientierungen herausbilden. Fromm unterscheidet zwischen den produktiven und den unproduktiven Orientierungen. Zu den unproduktiven zählt beispielsweise die Marketing-Orientierung: Alles wird zur Ware, auch die Persönlichkeit. Demgegenüber ist die produktive Orientierung am Sein und nicht am Haben orientiert (Fromm 2010).
Lucien Sève beschreibt das Verhältnis von Gesellschaftsstruktur und Individuum als einen verschränkten Prozess:
„Selbst die offensichtlich unverfängliche Idee eines ‚Persönlichkeitstyps‘ wie ‚der Kämpfer‘ scheint mir eine sehr kritisierbare Formulierung der Tatsache zu sein, dass es Individualitätsformen und logische Tätigkeitsformen gibt, die Individuen zu einem ‚kämpferischen Leben‘ führen. Noch anders gesagt, die historischen Individualitätsformen dürfen nicht abstrakt und fixiert wie ‚fertige Formen‘ gedacht werden, die man auf einer Typenskala klassifizieren könnte, sondern nur als ‚zu fertigende Formen‘, die uns auf die Fülle und auf die Transformierbarkeit der Lebensprozesse hinweisen (Sève 1986).“
Mit anderen Worten und aus dem Marxistischen ins Deutsche übersetzt: Individuen bilden ihre Persönlichkeit selbst, allerdings vorgeformt durch die von ihnen vorgefundenen gesellschaftlichen Verhältnisse und Lebensbedingungen.

Neurodynamische Theorien

Die neurodynamische Persönlichkeitstheorie beschäftigen sich mit der Verankerung der Persönlichkeit im Nervensystem. Diese Theorien werden in Zukunft voraussichtlich sehr einflussreich werden; vermutlich allerdings nicht wegen ihres wissenschaftlichen Gehalts, sondern wegen ihres naturwissenschaftlichen Appeals.
Im Augenblick zumindest sind sie kein auch nur halbwegs einheitliches Gebilde, sondern ein Sammelsurium vereinzelter Studien mit vorläufigen Erkenntnissen. Dieses Fach hat zwar mit erheblichen methodischen Befunden zu kämpfen und pflegt mitunter einen nahezu hochstaplerischen Umgang mit Daten; aber der nach wie vor grassierende Neuro-Hype sorgt auch weiterhin für zunehmendes Interesse an den (überaus fragwürdigen) Befunden.1

Die vorangestellten Skizzen persönlichkeitstheoretischer Ansätze können nicht den Anspruch erheben, diese auch nur halbwegs erschöpfend zu charakterisieren. Der Versuch würde den Rahmen dieses Buchs sprengen.

Es geht hier nur darum zu zeigen, dass die psychiatrische Diagnostik nicht auf einem einheitlichen Begriff der Persönlichkeit zurückgreifen kann. Es herrscht keine Einigkeit darüber, was an einem Individuum einzigartig, was Ausdruck gesellschaftlich definierter Rollen und was nur Reaktion auf Situationen ist.
Interessant ist, dass eine „psychische Krankheit“ im Sinne der diagnostischen Manuale als Abweichung des Verhaltens von der Norm definiert wird, Persönlichkeit aber ebenfalls eine Abweichung von der Norm ist, denn wären alle in jeder Hinsicht normal, so wären sie allenfalls aufgrund äußerlicher Merkmale unterscheidbar und daher keine Persönlichkeiten.

Es stellt sich also die Frage, anhand welcher Gesichtspunkte man einen „psychisch Kranken“ von einer „normalen“ Persönlichkeit unterscheidet, die zu einem eher seltenen Typus zählt.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Wenngleich die psychiatrischen Diagnose-Handbücher die Existenz klar abgegrenzter Persönlichkeitsstörungen vorgaukeln, herrscht in der Fachwelt Uneinigkeit darüber, welche Persönlichkeitsstörungen tatsächlich existieren und wie sie zu definieren sind. Kein Wunder also, dass die Beurteiler-Reliabilität bei den entsprechenden Diagnosen trotz aller Reformbemühungen überaus schlecht ist (Greenberg 2013).

Die Definition der Persönlichkeitsstörung hängt natürlich von der jeweiligen Persönlichkeitstheorie ab. Die psychiatrische Diagnostik beruht aber nicht auf einer einheitlichen theoretischen oder gar empirischen Grundlage, sie fußt vielmehr auf einem politischen Konsens, auf einem kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich die Vertreter unterschiedlicher Schulen in internationalen und nationalen Psychiatergremien geeinigt haben (wobei sich mitunter die lautstärksten und nicht jene mit den besten Argumenten durchsetzten).

Daraus folgt, dass die offiziellen psychiatrischen Diagnosen nach DSM oder ICD in einer nur oberflächlichen Beziehung zu den Persönlichkeits- bzw. Störungstheorien der jeweiligen Praktiker stehen.

Die folgende Zuordnung von Persönlichkeitstheorien und Störungstheorien kann im Rahmen dieses Beitrags natürlich nur holzschnittartig ausfallen. Sie soll den Grundgedanken verdeutlichen, dass eine Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen zwangsläufig unbefriedigend sein muss, da es keine allgemein verbindliche, präzise definierte und empirisch abgesicherte Persönlichkeitstheorie gibt.

Kurz: Solange man noch nicht einmal genau weiß, was die Persönlichkeit ist, sollte man zu ihren angeblichen Störungen schweigen.

  • Für den Behavioristen ist eine Persönlichkeitsstörung eine Abweichung des charakteristischen Verhaltensrepertoires von der statistischen Norm, die durch Lernprozesse (Konditionierung) hervorgerufen wird.
  • Aus Sicht der dialektischen Persönlichkeitstheorie ist eine Persönlichkeitsstörung die Folge von inneren Widersprüchen, die nicht konstruktiv aufgelöst werden können. Durch diese Blockierung können die Widersprüche dann nicht zu einem Motor der persönlichen Weiterentwicklung werden.
  • Für den Typentheoretiker sind Persönlichkeitsstörungen die Folge einer anlagebedingten Übersteigerung eines Temperaments.
  • Der Eigenschaftstheoretiker sieht in ihnen die extreme Ausprägung eines oder mehrerer Persönlichkeitsmerkmale, die auf einem Wechselspiel von Anlage und Umwelt beruht.
  • Aus psychodynamischer Sicht entstehen Persönlichkeitsstörungen durch Störungen der frühkindlichen Sozialisation, vor allem im Bereich der Mutter-Kind-Beziehungen.
  • Aus phänomenologischer Perspektive zeigen sich Persönlichkeitsstörungen, wenn Menschen in ihrem Streben nach Selbstverwirklichung gehemmt sind.

Es versteht sich von selbst, dass diesen unterschiedlichen Konzepten der Ursachen auch unterschiedliche Behandlungsstrategien entsprechen. Im Augenblick allerdings kann keine der Persönlichkeits- und Störungstheorien als empirisch erhärtet betrachtet werden und keine der diversen Behandlungsstrategien hat sich als eindeutig überlegen erwiesen.

Freie Entfaltung der Persönlichkeit

Eine große Gefahr bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen besteht darin, zwischenmenschliche Probleme nur einem einzelnen Menschen zuzuschreiben, ihn gleichsam zum Sündenbock zu machen. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ist sogar die bösartigste von allen, da mit ihr nicht nur einzelne Verhaltensweisen, sondern der Mensch insgesamt pathologisiert wird (Kinderman 2014: Kindle Edition Pos. 1385 f.).

Diese Diagnose setzt voraus, dass die Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben nicht nur im Umgang mit bestimmten Menschen, zum Beispiel in der Familie oder in einer Arbeitsgruppe, sondern durchgängig in allen, auch in deutlich von einander unterschiedenen sozialen Situationen auftreten. Denn wäre dies nicht der Fall, so drängte sich der Verdacht auf, dass gar nicht Persönlichkeitsmerkmale, sondern situative Bedingungen für das als gestört erachtete Verhalten verantwortlich sind.

Es ist sicher nicht gerechtfertigt, Extremvarianten menschlichen Verhaltens und Erlebens grundsätzlich als gestört zu bezeichnen, nur weil sie erheblich von der Norm abweichen. Manche Zeitgenossen fühlen sich von jedem gestört, der nicht nahtlos der Norm entspricht. Aber das ist dann wohl eher nicht das genuine Problem des Abweichlers.

Persönlichkeiten kann man auch als Ausdruck von Lebensstilen bezeichnen – und aus dieser Sicht kann es keine kranken Persönlichkeiten geben. Denn der Lebensstil ist keine medizinische Kategorie. Natürlich können Lebensstile riskant sein und u. U. auch die Gesundheit beeinträchtigen. Doch selbst wenn sie Krankheiten hervorrufen oder begünstigen, sind sie an sich natürlich keine Krankheit. Für Lebensstile sind dann doch wohl eher die Psychologie, die Sozialwissenschaften und die „Behavioral Economics“ zuständig als die Medizin.

In jedem Fall ist zu bedenken, dass Menschen in einer demokratischen Gesellschaft das Recht zur freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit besitzen. Dieses Recht haben sie – in rechtlich definierten Grenzen – auch dann, wenn sie bei der Verwirklichung ihrer Persönlichkeit andere Menschen stören. Sie verwirken dadurch keineswegs eines der wichtigsten Rechte in der Demokratie.2

Anderen Menschen eine gestörte oder gar kranke Persönlichkeit vorzuwerfen und sie zur Veränderung oder zur Behandlung zu drängen, kann u. U. selbst Ausdruck einer Haltung sein, die man mit gleichem Recht ebenfalls als Persönlichkeitsstörung beurteilen könnte. Diesen Typ der „Persönlichkeitsstörung“ findet man sogar bei professionellen Helfern. Man nennt sie dann das „Helfersyndrom“. Man könnte dieses Syndrom als eine besonders bösartige Form des Narzissmus begreifen, weil sie Gehirnwäsche als Wohltat tarnt.

Persönlichkeitseinschätzung

Es gibt eine Vielzahl von Attributen, die wir dem Begriff der Persönlichkeit beigesellen: flach, windig, charismatisch, verrückt etc. Das Problem mit all diesen Beifügungen besteht darin, dass sie das, was wir mit „Persönlichkeit“ meinen, nicht fassbarer machen. Vielmehr werfen wir mit diesen Charakterisierungen oftmals mehr Fragen auf, als wir beantworten.

Ein halbwegs präziser Begriff kann durch eindeutige Merkmale beschrieben werden, die eine sachliche Kommunikation ermöglichen. Die Beschreibung muss keineswegs perfekt sein. Das ist oft auch gar nicht möglich. Dies lässt sich z. B. am Begriff des „Vogels“ veranschaulichen. So hat ein Vogel Flügel, aber auch Fledermäuse haben Flügel und können fliegen, im Gegensatz zu Hühnern. Trotz dieser Schwierigkeit können wir aber bei den meisten Gegenständen des Alltags schon kleinen Kindern eine Vorstellung davon vermitteln, was sich hinter den Begriffen der Umgangssprache verbirgt. Beim Begriff der „Persönlichkeit“ ist dies jedoch keineswegs der Fall, wie wir gleich sehen werden.

Wer würde beispielsweise nicht eine erstarrte Persönlichkeit kennen oder eine reife, eine oberflächliche bzw. eine tiefgründige, eine offene oder eine misstrauische? Doch gemach: Machen wir die Probe aufs Exempel. Hätten wir einen halbwegs klaren Begriff wie den des Vogels, dann müssten wir doch nach einigem Nachdenken, wenn nicht spontan Merkmale benennen können, die beispielsweise den Fritz oder die Paula als „reife Persönlichkeit“ charakterisieren.

Doch bei dem Versuch, derartige Merkmale, meist Verhaltensweisen, aufzuzählen, stellen wir schnell fest, dass uns nicht nur zahlreiche Gegenbeispiele einfallen, die der „Diagnose“ widersprechen, sondern vor allem bemerken wir, dass unsere Merkmale selbst wieder erklärungsbedürftig sind. Denn oft sind diese Merkmale bzw. Verhaltensweisen – für sich genommen – gar kein Beweis für die Richtigkeit unserer Diagnose.

Ist beispielsweise ein Verhalten Ausdruck des Geizes oder der Sparsamkeit? Ist ein emotionaler Ausbruch ein Zeichen der Unbeherrschtheit oder eines gerechten Zorns? Ist gediegene Kleidung Anzeichen einer seriösen oder einer hochstaplerischen Persönlichkeit? Wir Menschen sind vielschichtige Wesen. Wir sind uns oftmals sogar selbst ein Rätsel. Wie willkürlich ist es doch, den Menschen auf ein paar Persönlichkeitsmerkmale zu reduzieren!

Wir Menschen leben in komplexen Umwelten. Oftmals wissen wir nicht, welche aus der Vielzahl der dort wirksamen Reize unser Verhalten tatsächlich bestimmen. Nehmen wir an, ein Mensch verhält sich immer aufbrausend bei Kritik in den 233 Grundsituationen seines Lebens. Daraus schließen wir, dass dies persönlichkeitsbedingt ist, denn diese Grundsituationen unterscheiden sich deutlich voneinander. In ihnen sind jeweils hundert4 Reize aktiv, die als Auslöser von Handlungen des jeweiligen Individuums in Frage kämen. Woher wissen wir, dass nicht einer dieser Reize, genau der, dem das aufbrausende Verhalten geschuldet ist, in all diesen Situationen vorkommt?

Wer, was, wann, wo, warum?

Bewertungen und Einstufungen menschlicher Aktivität können wir nur vornehmen, wenn wir den Kontext des Verhaltens berücksichtigen. Wer hat wann, wo, was getan und warum? Worauf hat er reagiert, was hat er damit beabsichtigt? Nicht zufällig sind dies genau die Fragen, die mit den „Fünf W“ verbunden sind, die jeder Journalist in seiner Grundausbildung kennen lernt: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Dies sind die fünf Fragen, die Journalisten in ihren Artikeln beantworten müssen, damit ihre Geschichte stimmig ist.

Und so verhält es sich auch in Sachen „Persönlichkeit“. Um ein stimmiges Bild einer Persönlichkeit zu zeichnen, müssen wir Geschichten erzählen. Und in aller Regel haben die Geschichten nicht nur einen Akteur – nämlich den Menschen, den wir charakterisieren wollen – sondern viele. Dies gilt natürlich auch für die so genannten gestörten Persönlichkeiten, deren Störung eigentlich immer nur in sozialen Kontexten definierbar ist. Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie eine Persönlichkeit entsteht.

Manche meinen ja, die Persönlichkeit stecke in unseren Genen, wie ein Fertigprodukt, das vom Leben nur noch ausgepackt werden müsse. Jede Versuch der Persönlichkeitsbildung wäre dann für die Katz‘. Journalisten, die das Verblüffende lieben, berichten gelegentlich über getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge, die sich nach zwanzig, dreißig Jahren erstmals begegnen und feststellen, dass sie dieselben Vorlieben und Abneigungen, Talente und Schwächen haben.

Für dieses beeindruckende Phänomen gibt es allerdings keinerlei wissenschaftliche Beweise. Und es ist auch höchst unwahrscheinlich. Man bedenke, dass die Zahl der menschlichen Gene ziemlich begrenzt ist5, aber die Zahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen die Zahl der Sterne im Universum überschreitet. Wie sollte eine solche gewaltige Fülle von Informationen, die diesen Verschaltungen zugrunde liegt, Platz haben im Humangenom? Die Natur hat einen anderen Weg gefunden. Der Mensch ist hochgradig lernfähig – und so entnimmt er einen Großteil der benötigten Informationen seiner Umwelt.

Strategien der Lebensbewältigung

Die gilt auch für die Persönlichkeitsentwicklung. Im Normalfall ist die erste und wichtigste Persönlichkeitsbildnerin eines Kleinkinds die Mutter. Im Wechselspiel mit der Mutter lernt das Kind, seinen Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen – in einer Form, die zunehmend auch auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht nimmt. Und dabei entwickelt sich ein individueller Stil des „in der Welt Seins“. Später dann treten weitere Persönlichkeitsbildner hinzu: Der Vater, die Geschwister, die Spielkameraden, Mitschüler, Lehrer, Pfarrer, Trainer im Sportverein, Professoren – und nicht zu vergessen die Phantome unserer schönen, neuen Fernsehwelt.

All diese realen und fiktiven Personen sind Vorbilder, nach denen wir unsere Persönlichkeit formen. Sie sind oft aber teilweise auch Spiegel, die uns Rückmeldung über unser Verhalten geben und die uns helfen, es besser an andere Menschen und wechselnde Situationen anzupassen. Und so ist die Persönlichkeit nicht nur, aber auch eine Strategie der Lebensbewältigung. Sie wird geformt durch die Einflüsse und Rückmeldungen aus unserer Umwelt.

Selbstverständlich spielen die Erbanlagen eine gewisse Rolle. Sie haben in etwa dieselbe Funktion wie angeblich die Sterne in der Astrologie. Sie machen geneigt, aber sie zwingen nicht. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass wir bestimmte Lebensbewältigungsstrategien entwickeln und andere nicht.

Man könnte nun fragen, warum unsere Persönlichkeit in aller Regel relativ stabil wirkt, wenn sie nicht genetisch verankert ist. Warum bevorzugen wir nicht heute diese, morgen jene Strategie der Lebensbewältigung? Die Antwort darauf ist sehr simpel. Es ist die Macht der Gewohnheit. Gewohnheiten entstehen auch dann, wenn die entsprechenden Handlungen nicht durch überwältigenden Erfolg gekrönt werden. Sie müssen einfach nur in die Landschaft passen und unsere Bedürfnisse in einem halbwegs zufrieden stellenden Maße befriedigen. Dieser Punkt wird insbesondere von den behavioralen Theorien der Persönlichkeitsentwicklung betont.

Und so sind auch die sog. Persönlichkeitsstörungen aus dieser hypothetischen Sicht Strategien zur Bewältigung des Lebens. Sie sind oft nicht gerade Formen der Meisterung des eigenen Geschicks, aber dennoch passen sie in die Landschaft und befriedigen halbwegs die eigenen, oft sehr reduzierten Bedürfnisse. So gibt sich z. B. der Narzisst nicht selten sogar mit feindseligen Reaktionen seiner Umwelt zufrieden, denn immerhin sind sie ja auch eine Form der Beachtung, die er braucht wie der Vampir das Jungfrauenblut.

Selbstverständlich sind Persönlichkeitsstörungen (was immer dies im Detail sein mag) keine optimale Lebensbewältigung. Deshalb ist ihre Anwendung häufig mit gesteigertem Stress verbunden. Stress aber vermindert unsere Fähigkeit zur Umsicht und zum Überblick.

Daher ahnen viele Menschen mit diesen sog. Persönlichkeitsstörungen, dass etwas schief läuft in ihrem Leben. Aber sie klammern sich dennoch an ihre Verhaltensmuster, sie können nicht über ihren Schatten springen. Denn alle Alternativen, die sie bewusst oder unbewusst für realisierbar erachten, sind – so ist ihre offene oder uneingestandene Befürchtung – noch deutlich schlechter, wenn nicht verheerend, lebensbedrohlich.

Selbst die – aus Sicht der Mitmenschen – allerschauerlichsten Persönlichkeitsstörungen sind, subjektiv betrachtet, für den Betroffenen die beste Wahl. Und wenn ihn dann doch die Hoffnung auf Besserung oder der Druck seiner Umwelt in eine Psychotherapie drängt, dann wird er vielleicht oberflächlich kooperieren, der Behandlung aber unbewusst Widerstand entgegen setzen.

Es gibt allerdings auch sog. Persönlichkeitsstörungen, auf die diese Psycho-Logik nicht zutrifft. Sie kann vor allem die Psychopathie, Soziopathie, die antisoziale Persönlichkeitsstörung nicht erklären. Bei den davon Betroffenen spielt die Angst keine Rolle; vielmehr ist die Unfähigkeit, sich angemessen zu fürchten, vermutlich einer der wichtigsten Gründe für das Verhalten dieser „Monster“.6

Bei den meisten anderen Persönlichkeitsstörungen aber ist die Angst die treibende Kraft, die dem störenden Verhaltensmuster zugrunde liegt und die den Widerstand gegen eine Veränderung motiviert. Die als gestört anmutende Persönlichkeit ist, pointiert und metaphorisch formuliert, als versteinerte Form der Angstbewältigung zu betrachten.

Beziehungsstörungen

Wovor aber fürchten sich die „Persönlichkeitsgestörten“? Vor uns, den anderen! Sie fürchten sich vor ihren Mitmenschen. Sie sind heillos verwirrt, konsterniert, ratlos.

Als Kinder und Heranwachsende haben sie im Spiegel der anderen ihre Strategie der Lebensbewältigung entwickelt. Sie haben einige dieser Mitmenschen zum Vorbild gewählt, sie nachgeahmt. Sie waren gelehrige, kindlich vertrauensvolle Schüler, und was war der Dank? Nur zu oft mussten sie Gleichgültigkeit oder Arglist erfahren, wurden seelisch oder gar körperlich verletzt. Entsprechend übernahm ihre Persönlichkeit Schritt für Schritt die Funktion eines Panzers.

Der Begriff „Persönlichkeitsstörungen“ ist im Grunde irreführend. Gestört ist nämlich nicht die Persönlichkeit, sondern gestört sind die Beziehungen. Gestört sind die Beziehungen zu Eltern, Lebenspartnern, Kameraden, Kollegen, Vorgesetzten. Gestört sind soziale Systeme, nicht Individuen.

Dies erkennt man sehr schnell, wenn man Geschichten erzählt. Solange man versucht, Persönlichkeiten ins Korsett psychiatrischer Manuale, psychodiagnostischer Schemata zu zwängen, wird einem nicht auffallen, dass sich dieses Problem nicht erschöpfend auf der Ebene eines Individuums abhandeln lässt.

Sobald man aber beginnt, die „Persönlichkeitsstörungen“ in Form von Geschichten zu erarbeiten, zeigt sich schnell ein anderes, vielschichtigeres Bild – sofern man nicht versucht, die Geschichten so zurechtzubiegen, dass immer der „gestörte“ Protagonist der Handlung die Ursache des Geschehens ist.

Das liebe Geld

Die zeitgenössische Psychotherapie und Psychiatrie verweigern sich dieser Sicht der Dinge. Und dies nicht aus böser Absicht oder Dummheit, sondern der Not gehorchend. Zwar kann man in Grenzen auf das Umfeld eines „Betroffenen“ einwirken – und dies geschieht ja auch in der Familientherapie – aber diese Grenzen sind doch eng gezogen.

Einfacher ist da der auf das Individuum bezogene Ansatz. Psychopharmaka sind schnell verschrieben, und psychotherapeutische Sitzungen lassen sich leicht verwirklichen. Ob’s hilft? Ja, es hilft. Aber kaum mehr als ein Placebo. Oft bleibt sogar nur der Placebo-Effekt.

Und so dienen diese Veranstaltungen vor allem der Gewissensberuhigung in einer Gesellschaft, die ihre grundlegenden psycho-sozialen Probleme nicht lösen will oder kann. Strategien zur Bewältigung des Lebens werden selbstverständlich wie jedes Verhalten durch Verstärker geformt. Der allgemeine Verstärker ist das Geld. Das Geld spielt auch bei den sog. Persönlichkeitsstörungen eine große Rolle, direkt und indirekt.

Ein Beispiel: Ein Mensch mit einer sog. Selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung wird am Arbeitsplatz gemobbt. Die treibende Kraft ist ein Kollege, der einen stellungsuchenden Freund hat und es gern sähe, wenn dieser Freund anstelle des Gemobbten dessen Position im Unternehmen einnehmen würde. Der Gemobbte verschafft sich endlich durch Kündigung Erleichterung und wird dafür nicht nur durch Stress-Reduktion, sondern auch noch durch Arbeitslosenunterstützung, ggf. auch durch eine Abfindung verstärkt.

Diese Erfahrung führt zu einer weiteren Verfestigung der sog. Persönlichkeitsstörung. Sein Verhalten ist selbstunsicherer als jemals zuvor, denn nun ist er ja arbeitslos und nichts mehr wert; gut, dass er wenigstens noch seine Arbeitslosenunterstützung hat. Geld spielt als allgemeines Äquivalent fast jeder Art von Verstärkung eine zentrale Rolle in der Steuerung menschlichen Verhaltens – und daher entwickeln sich die sog. Persönlichkeitsstörungen nicht unabhängig vom jeweiligen Wirtschaftssystem.

Gilt dieses System als effektiv, dann werden die Persönlichkeitsstörungen u. a. psychische Phänomene als „Kollateralschäden“ hingenommen. Und dann ist es natürlich schwierig, wenn nicht unmöglich, Interventionen zur Lösung des Problems einzuleiten, die wirksamer wären als Pillen oder individuelle Psychotherapie.

Fazit

Es gibt keine allgemein verbindliche Theorie der Persönlichkeit und allein deswegen schon kann es keine soliden Diagnosen von Persönlichkeitsstörungen geben. Es ist kaum möglich zu entscheiden, ob sich ein Mensch aufgrund der Besonderheiten seines Charakters oder aufgrund von situativen Bedingungen störend verhält. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ist die heimtückischte von allen, denn es werden nicht einzelne Verhaltensweisen, vielmehr wird der Mensch insgesamt pathologisiert, für defekt erklärt.

Literatur

Ahrens, S. (1997). Lehrbuch der psychotherapeutischen Medizin. Kapitel 3: Psychoanalytische Entwicklungspsychologie. Stuttgart, New York: Schattauer

Amelang, M. & Bartussek, D. (1997). Differenzielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Stuttgart: Kohlhammer

Fromm, E. (2010). Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. München: dtv, 37. Aufl.

Greenberg, G. (2013). The Book of Woe. The DSM and the Unmaking of Psychiatry. New York: Penguin Books

Holth, P (2003). Psychological Behaviorism: A Path to the Grand Reunification of Psychology and Behavior Analysis? The Behavior Analyst Today 4 (3): 306–309

Kinderman, P. (2014). A Prescription for Psychiatry. Why We Need a Whole New Approach to Mental Health and Wellbeing. London: Palgrave Macmillan

Maslow, A. H. (1997). Motivation und Persönlichkeit. Olten: Walter

Pertea, M. & Salzberg, S. L. (2010). Between a chicken and a grape: estimating the number of human genes. Genome Biology 2010, 11:206

Rogers, C. R. (2009). Eine Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Mit einem Vorwort von Jürgen Kriz. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag

Sève, L. (1986). Historische Individualitätsformen und Persönlichkeit. Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 10/1986

Vul, E. et al. (2009). Puzzlingly High Correlations in fMRI Studies of Emotion, Personality, and Social Cognition. Perspectives on Psychological Science, Vol. 4, No. 3, 274-290

Siehe Vul, E. et al. (2009) – Es handelt sich hier um eine Analyse einschlägiger empirischer Studien, verbunden mit einer Befragung von Forschern; Kernsatz: „Obwohl die Absätze zu den Methoden in den Artikeln nicht sehr viel Informationen darüber vermitteln, wie die Analysen realisiert wurden, zeichnete eine Umfrage unter Forschern ein klares und besorgniserregendes Bild. Mehr als die Hälfte der Forscher in diesem Gebiet verwendete Methoden, die deutlich inflationäre Korrelationsschätzungen bieten.“

Das Grundgesetz gewährt dem Einzelnen einen unantastbaren Bereich privater Lebensgestaltung, der jeglicher Einwirkung der öffentlichen Gewalt entzogen ist.

Diese Zahl ist willkürlich gewählt.

Auch diese Zahl ist willkürlich gewählt und dient nur der Veranschaulichung.

Pertea und Salzberg (2010) schätzen die Anzahl der Gene beim Menschen auf 22333.

Bei den Psychopathen (Soziopathen, antisozial Persönlichkeitsgestörten) springt die Unangemessenheit des Begriffs der „psychischen Krankheit“ förmlich ins Auge, denn diese Menschen leiden nicht unter ihrer Störung (sie lassen andere leiden) und sie sind dank ihrer oft ausgeprägten Intelligenz und ihrer Skrupellosigkeit auch bestens angepasst an die Erfordernisse eines Lebens in kapitalistischen Umwelten (man findet sie nicht selten in Chefetagen). Kurz: Diesen windschnittigen Typen fehlt alles, aber auch alles, was gemeinhin einen „Neurotiker“ oder gar „Psychotiker“ auszeichnet.

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