Krankheitsgewinn

Dies kann man einfach nicht bestreiten. Der Sachverhalt ist unstrittig. Selbst die Anhänger des Konstrukts der „psychischen Krankheit“ räumen ein, dass es dies gibt: Krankheitsgewinn. Und es ist offensichtlich, dass dieser Krankheitsgewinn das Spielen der Krankheitsrolle verstärkt. Wenn man einer Ratte Futter gibt, sobald sie einen Hebel herunterdrückt, dann wird sie den Hebel solange herunterdrücken, bist sie satt ist, und vielleicht sogar noch ein bisschen länger. Sobald sie wieder hungrig ist, betätigt sie erneut den Hebel. Das nennt man Konditionierung. Beim Menschen gibt es das auch. Allein, der Mensch hat die Möglichkeit, darüber zu reflektieren und kraft einer vernünftigen Einsicht das konditionierte Verhalten abzubauen.

Und genau dafür ist ein Erwachsener, der nicht schwer geistig behindert ist, auch verantwortlich. Es wäre fatal, wenn wir uns von dieser Verantwortung entbänden, indem wir uns das psychiatrische Sichtweise von den „psychischen Krankheiten“ zu eigen machten. Natürlich ist es schwer, Verantwortung zu tragen, und natürlich ist es leicht, die Verantwortung für eigenes Fehlverhalten mit einer Krankheit zu entschuldigen. Natürlich ist es schwer, verantwortlich zu handeln und natürlich ist es leicht, die Verantwortung für das eigene Handeln dem Arzt (oder einer anderen Autorität) zu übertragen.

Der kulturelle Imperativ der Konsumgesellschaft lautet: „Gönn‘ dir etwas Gutes, mach‘ es dir leicht, verwöhne dich, geh‘ den Weg des geringsten Widerstandes.“ Die Folge ist eine Infantilisierung, die „Erwachsenen“ werden Säuglingen immer ähnlicher, die auf die nächsten Flasche warten, um dann brav ihr Bäuerchen zu machen. Sie versetzen sich also selbst ein einen Zustand, in dem sie verantwortungslos sind, wie Kleinstkinder oder schwer geistig Behinderte. Doch der Unterschied zu diesen besteht darin, dass die infantilisierten Erwachsenen der Konsumgesellschaft dennoch verantwortlich bleiben. Ihre Unmündigkeit ist selbstverschuldet und daher keine Entschuldigung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.