Gehört der Atheismus zu Deutschland?

Man darf natürlich ungläubig sein, in Deutschland. Man darf auch aus der Kirche austreten, wenn man den frühkindlich eingetrichterten Glauben verloren hat. Sollte man allerdings für eine katholische Einrichtung – zum Beispiel ein Krankenhaus oder einen Kindergarten – tätig sein, dann fliegt man raus.

Die Kirchen haben ein eigenes Arbeitsrecht und die Kirchen sind bedeutende Arbeitgeber in Deutschland. Sie dominieren den gesamten sozialen Bereich. Wer also beispielsweise Psychologe, Sozialarbeiter oder Arzt ist, sollte sich gut überlegen, ob er den Arbeitsmarkt für sich durch Kirchenaustritt mutwillig verkleinern möchte.

Kirchliche Institutionen neigen auch dazu, hier und da ein Kreuz aufzuhängen – und sie scheren sich nicht sonderlich darum, ob dies die empfindlichen Augen von Atheisten beleidigen könnte. Auch tendieren sie dazu, mit großen und kleinen Glocken zu früher Stunde Lärm zu schlagen – dies ebenso ohne Scheu und Furcht davor, die sensiblen Ohren von Atheisten zu malträtieren oder gar ihren zarten Seelen Schaden zuzufügen.

Und, ja, die dürfen das.

Ein Priester im Süden Italiens kleidete die Jungfrau Maria für die Weihnachtskrippe seiner Kirche in eine muslimische Burka.1)Christlicher Klerus heisst den Islam in der Kirche willkommen und verneigt sich vor ihm Interreligiöser Dialog, eben. Toll. Nur leider vermisst man so viel Zartgefühl gegenüber Atheisten dann doch sehr.

Dabei gibt es mit großer Sicherheit mehr Ungläubige in unserem Land als Muslime. Ein Atheist ist ein Mensch, der die Behauptung „Gott existiert“ mit einem klaren Falsch quittiert. Fragen Sie sich und andere! Sie werden feststellen, wie viele Leute partout nicht an den alten Knaben hoch droben im Himmel glauben mögen. Manche drucksen vielleicht herum und sagen, man könne es nicht wissen – aber dann antworten Sie: Wahr oder falsch – etwas dazwischen gibt es ebenso wenig wie ein bisschen schwanger. Gott sei eine ernste Sache, kein Roulettespiel. Entweder gibt es ihn oder es gibt ihn nicht.

Wir sind also viele, sehr viele. Uns fehlt die Religion. Darin liegt das Problem. Wir haben nichts, was wir als schutzbedürftig bezeichnen könnten. Wir können nicht beleidigt oder verletzt sein, wenn jemand unseren Unglauben in Frage stellt. Da ist ja nur: „Die Aussage: ‚Gott existiert!‘ ist falsch.“ Nichts weiter. Ein wenig mager, nicht?

Da kann man keine Kirche drumherum bauen. Da kann man sich keine bunten Kittel anziehen und psalmodieren. Man glaubt einfach nur nicht an Gott. That’s all. Müssen wir deswegen mit den Sonderkonditionen einverstanden sein, die der Staat den Kirchen einräumt und schon bald auch den Muslimen zu gewähren gedenkt?

Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich fordere nicht nun auch noch Sonderkonditionen für Atheisten. Ich will nicht, dass atheistische Kindergärten Mitarbeiter herauswerfen dürfen, wenn diese in die Kirche eintreten oder zum Islam konvertieren. Da soll man schon die Kirche im Dorf lassen.

Mit geht es hier nur um die Frage, ob der Atheismus zu Deutschland gehört. Millionen Atheisten leben bereits hier, und es werden immer mehr. Könnte der Bundespräsident nicht sagen: Natürlich gehören die Atheisten zu Deutschland. Natürlich darf man sie nicht diskriminieren.2)Gläserne Wände

Sie machen unser Leben bunt.

Fußnoten   [ + ]

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