Die schöne neue Welt der Psychiatrie

Fast alle haben ein Smartphone, manche gleich mehrere. Nicht wenige Menschen sind nahezu pausenlos damit beschäftigt, es zu bedienen. Dadurch eröffnet sich interessierten Kreisen die Möglichkeit, beinahe das gesamte Volk auszuspionieren.

Manche beruhigen sich angesichts dieser unbehaglichen Vorstellung damit, dass sie schließlich nichts zu verbergen hätten. Sie seien gesetzestreue Bürger, die ein normales Leben führten und wer sich damit langweilen wolle, dieses auszuforschen, der möge es in Gottes Namen tun.

Diese Leute wissen zwar, dass nicht nur der Staat oder Geheimdienste ein Interesse am Verhalten der Bürger haben, sondern zudem die Wirtschaft. Aber auch dies stört diese Leute nicht übermäßig. Wenn die Wirtschaft ihnen Werbung zuleite, die möglichst genau auf ihren Bedarf zugeschnitten sei, so sei das doch gut und nicht schlecht.

Auch eine Gesundheits-App sei nützlich, wenn man damit vor drohenden Krankheiten gewarnt würde und eventuell sogar Krankenkassenbeiträge reduzieren könne.

Ein Mensch, so heißt es, der gesetzestreu, ein guter Konsument und kooperativ in Sachen Gesundheit sei, der habe sich nichts vorzuwerfen und der habe auch keine Überwachung zu befürchten.

Kurz: Wer sich seines Wohlverhaltens gewiss sein kann, muss sich keine Sorgen machen.

Bisher haben wir stillschweigend vorausgesetzt, dass die Individuen ihr Wohlverhalten selbst beurteilen. Sie sind sich keiner Schuld und keiner Versäumnisse bewusst, also sind sie ohne Fehl und Tadel.

Nun gibt es aber eine Industrie, die das anders sieht. Sie beansprucht für sich, als letzte Instanz autoritativ beurteilen zu können, wer in Ordnung ist und wer nicht. Dies ist die Psychiatrie.

Bis vor einigen Jahren war der Psychiater Thomas Insel Chef der weltgrößten psychiatrischen Forschungsinstitution, des „National Institute of Mental Health“ 1)National Institute of Mental Health der USA. Dann ging er vorübergehend zu Google Alphabet und gründete schließlich sein eigenes Unternehmen, Mindstrong.2)Mindstrong – Transforming Brain Health

Dieses neue Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, den psychischen Gesundheitszustand von Smartphone-Nutzern zu überwachen, rund um die Uhr, durch Auswertung aller Daten, die ein solches Gerät auswirft. Diese Daten sollen dann durch Hochleistungscomputer mittels maschinellen Lernens ausgewertet werden.

Wird nun ein Smartphone Nutzer identifiziert, der Gefahr läuft, psychisch krank zu werden, so erhält er einen Anruf mit hilfreichen Ratschlägen oder wohlmeinenden Anweisungen.

Die Definitionsmacht, festzulegen, was psychisch krank und was psychisch gesund ist, liegt bei irgendwem, nur nicht beim Individuum, dem Ziel dieser Totalüberwachung.

Man möge bedenken, dass es nach wie vor keine objektiven Methoden gibt, das Vorliegen einer psychischen Krankheit nachzuweisen. Dies liegt daran, dass die Hirnprozesse, die dem abweichenden Verhalten zugrunde liegen, immer noch unbekannt sind.

Daran kann auch die Auswertung von Abermillionen Daten, die von Handys abgesondert werden, nichts ändern. Die Diagnose ist immer noch ein subjektives und damit willkürliches Urteil.

Was Insel hier vorschwebt, ist nichts anderes, als das lesitungsstärkste System der Kontrolle und Repression, was jemals ersonnen wurde – getarnt als segensreiches Werkzeug medizinischer Hilfe.

Fußnoten   [ + ]

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