Drogenprohibition

Vorbemerkung

Die Drogenprohibition ist irrational und ineffektiv. Der „War on Drugs“ ist gescheitert. Der Konsum von Drogen kann zweifellos gefährlich sein; dies allein aber rechtfertigt kein Verbot. Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung keine illegalen Drogen konsumiert, sollte es in einer demokratischen Gesellschaft einen Minderheitenschutz geben, der die Interessen der Liebhaber der heute noch illegalen Drogen wahrt.

Die Behandlung von Drogenabhängigen nach dem Prinzip „Therapie statt Strafe“ ist zwar keine Zwangspsychiatrie im strengen Sinn, denn sie lässt dem Betroffenen immerhin eine, wenn auch schlechte, Wahl – aber es handelt sich hier dennoch um die Ausnutzung einer Zwangslage, in die der Drogenabhängige durch eine überaus fragwürdige Rechtslage gebracht wurde. Der nach diesem Prinzip behandelte Drogenabhängige ähnelt also dem Zwangskunden in den geschlossenen Abteilungen der Psychiatrie. Eine kritikwürdige Rechtslage führt den Drogentherapieeinrichtungen Kundschaft zu; und dies ist, trotz der hohen Zahl von Therapieabbrechern, natürlich ein gutes Geschäft.

Generell sieht die Bilanz der Drogenprohibition recht unterschiedlich aus: Für die Großdealer lohnt sich das Business fraglos; die Legalisierung aller Drogen würde ihnen die Geschäftsgrundlage entziehen. Auch für Politiker, die Überflüssige aus dem „Prekariat“ besser unter Kontrolle haben möchten, erweist sich die Drogenprohibition als durchaus nützlich. Die Drogenabhängigen, die Besitzer aufgebrochener Autos, die Opfer von Wohnungseinbrüchen, die von Diebstählen geplagten Ladenbesitzer, die Anwohner in der Nähe von Fixer-Treffpunkten etc. bezahlen die Zeche.

Pro & Kontra

Unter mittelalterlichen christlichen Gelehrten und Mönchen bestand eine Methode zur Festigung des Glaubens darin, die heiligen Überzeugungen auf den Prüfstand der Vernunft zu stellen und über sie zu Gericht zu sitzen. Ein Mönch übernahm die Rolle des Anwalts Gottes („Advocatus Dei“), ein anderer war der „Advocatus Diaboli“, der Anwalt des Teufels. Die Standpunkte des „Advocatus Dei“ in Sachen Drogen kann man auf den staatstragenden Websites zur Drogenaufklärung nachlesen. Der „Advocatus Diaboli“ könnte in etwa wie folgt argumentieren:

  • Drogen rufen, im rechten Geiste genommen, keine Abhängigkeit hervor. Sie schenken uns vielmehr Freiheit.

  • Mit einem Gläschen Wein verwandeln wir uns in stille, vergnügten Genießer, die sich sanft entspannt der Wahrheit öffnen.

  • LSD erlaubt uns, tief greifende mystische Erfahrungen zu sammeln, uns selbst zu ergründen und die ursprüngliche Schönheit der Welt zu erblicken.

  • Ecstasy (MDMA) führt uns in das Reich unserer wohlwollenden Gefühle, fördert eine gesunde Selbstliebe und bringt uns unseren Mitmenschen näher.

  • Opiate lindern nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch seelische Pein. Sie machen gelassen und versetzen uns in Hochstimmung. Sie helfen uns, Ängste und Gemütsverstimmungen zu meistern und unsere Gedanken zu ordnen, wenn unsere Gefühle und unser Denken verwirrt sind.

Diese Liste könnte ich nach Belieben verlängern; man muss nicht lange überlegen, um zu jeder psychoaktiven Drogen eine Reihe von Segnungen und handfesten Vorteilen aufzuschreiben. Drogen vergrößern unsere Kontrolle über unser Bewusstsein und damit über unser Leben.

Der „Advocatus Dei“ könnte den „Advocatus Diaboli“ mit folgenden Worten Paroli bieten:

Diese Worte offenbaren die Macht des Teufels. Er zeigt uns die irdischen Paradiese, will uns damit zu einem sündigen Leben verführen und uns blind machen für die Tatsache, dass es uns, Wohlverhalten vorausgesetzt, erst im Jenseits, nach dem Tode uneingeschränkt gut gehen darf. Wappnen Sie sich vor diesen Versuchungen, indem sie sich die vielen großartigen Vorzüge des Drogenkonsums unerschrocken vor Augen führen. Denken Sie aber auch daran, dass Sie für diesen Genuss ihre ewige Seligkeit verspielen. Nur wer den Feind kennt, kann ihn besiegen. Bleiben sie stark und gesetzestreu. Dann steht Ihnen das himmlische Paradies offen, wenn die Erde auf ihren Sarg fällt.

Folgen der Prohibition

Die Strafverfolgung von Dealern und Süchtigen verursacht gigantische Kosten, ohne dass die Drogensucht so in den Griff zu bekommen wäre. Im Gegenteil: Die Kriminalisierung der Drogenabhängigen und die Drogenprohibition führen zur Beschaffungskriminalität, verschlechtern die gesundheitliche Situation der Betroffenen und verursachen somit zusätzliche, vermeidbare Kosten für das Gesundheitssystem.

Mit einem Federstrich, nämlich durch die Legalisierung aller Drogen, könnte viel Geld für sinnvolle Maßnahmen gegen die Drogensucht gespart werden. Mit diesen Mitteln könnte man an den Ursachen ansetzen, statt, wie bisher, erfolglos an den Symptomen herumzupfuschen.

Was wurde nicht gerätselt, wer oder was an der Drogensucht schuld sei: der Erziehungsstil der Eltern, sexueller Missbrauch, mangelnde Autorität der Lehrer, fehlende Lehrstellen, Kulturzerfall, Verlust der religiösen Orientierung oder die Gene, Geburtsschäden und vieles mehr.

Kaum eine gesellschaftliche Interessengruppe fühlte sich nicht berufen, mehr Geld zu fordern, um mit ihrem Allheilmittel gegen die Drogensucht die Menschheit zu retten.

Dabei ist längst bekannt, welche Kräfte die Drogensucht antreiben. Es sind – mitunter kaum reflektierte, aus dem Bewusstsein verbannte, mental abgewehrte und kompensierte – Ängste, Gemütsverstimmungen und quälende Langeweile. Zu diesen Triebkräften gesellt sich eine anthropologische Konstante; die tief ins Erbgut eingesenkte Lust des Menschen am Rausch. Doch sie allein könnte keine Sucht auslösen, denn es gibt Gegenkräfte, zu denen die ebenfalls tief ins Erbgut eingesenkte Schaffensfreude sowie das Streben nach Effizienz zählen.

Nein, die Lust am Rausch reicht als Erklärungsmodell für Drogensucht nicht aus; es müssen jene Faktoren hinzutreten, die nicht für alle Gesellschaftsformen charakteristisch sind, wohl aber, mehr oder weniger, für unsere, die kapitalistische, deren Atmosphäre durch Angst, Gemütsverstimmungen und quälende Langeweile gekennzeichnet ist. Auch andere Systeme, die den Kapitalismus nachäffen, haben sich dieses Klima eingehandelt.

Durch Legalisierung aller Drogen kann viel, viel Geld gespart werden. Dieses Geld könnte man gezielt und sinnvoll einsetzen, nämlich zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Ängste, Gemütsverstimmungen und quälende Langeweile schüren. Die Erfolge würden sich in kürzester Zeit zeigen.

Wer mit offenen Augen durch die trostlosen Wohngebiete an der Peripherie unserer Großstädte geht, kann sich, ein wenig Fantasie vorausgesetzt, leicht ausmalen, welche Wunder man mit ein bisschen Geld hier wirken könnte, indem man die Kids auf andere Gedanken bringt.

War on Drugs

Seit Jahrzehnten wird ein „War on Drugs“ geführt. Ohne Erfolg.

Die Drogenprohibition hat, aufgrund der Illegalität und des damit verbundenen Risikos, eine erhebliche Verteuerung des Stoffs zur Folge. Erst dadurch wird der Drogenhandel für das organisierte Verbrechen interessant. Die hohen Kosten bewirken, dass die Substanzen vielfach gestreckt und damit verunreinigt werden. Dies ist mit extremen Gefährdungen der Gesundheit der Endverbraucher verbunden. AIDS würde unter Drogenabhängigen eine weitaus geringere Rolle spielen, wenn der Konsum nicht unter den oft abenteuerlichen Bedingungen der Illegalität stattfände.

Um den durch Illegalität extrem verteuerten Stoff zu finanzieren, sind die Abhängigen zu Prostitution und Beschaffungskriminalität gezwungen. Die Kriminalisierung lässt gigantische Kosten bei der Polizei, im Justizsystem, im Strafvollzug entstehen. Weitere, erhebliche Kosten bei den Sicherheitssystemen sind bedingt durch die Verstärkung des Terrorismus, der sich teilweise durch Drogengeschäfte finanziert.

Demgegenüber bringt die Drogenprohibition keinerlei Nutzen. Der Konsum unterliegt gewissen Schwankungen, die aber nicht auf verstärkte oder abgeschwächte polizeiliche Aktivität, sondern auf Faktoren der Mode bzw. des Zeitgeistes zurückzuführen sind. Es ist also keineswegs so, dass die Drogenprohibition den Drogenkonsum vermindern würde. Er findet dennoch statt. Wer Stoff haben will, bekommt ihn auch – sogar im Gefängnis.

Prohibition ist hochgradig irrationale Politik – für den überwiegenden Teil der Menschheit. Dies hat sich bereits bei der Alkoholprohibition in den USA gezeigt. Damals war man vernünftiger und hat sie, als das Scheitern nicht mehr zu verleugnen war, schließlich aufgegeben. Das war ein schwerer Schlag für das organisierte Verbrechen. Dass sie aufgegeben wurde, lag wohl daran, dass hier nicht nur eine Minderheit der Repression unterworfen war, sondern die Mehrheit der Amerikaner, die ganz gern dem Alkohol zuspricht. So etwas kann ein demokratischer Staat nicht lange durchhalten.

Dieser Gedanke bringt mich zum entscheidenden Punkt. Wenn Drogenprohibition auch hochgradig irrational ist, so ist sie durchaus rational für eine Teilgruppe der Menschheit, nämlich für all jene, die daran verdienen. Drogenanbau und Drogenhandel sind heute ein wesentlicher Faktor der Weltwirtschaft, das ist ein Milliardengeschäft. Es bräche zusammen, wenn man Drogen legalisieren würde.

Man möge sich da nichts vormachen: Das sind Geldströme, die in die Wirtschaften der Industriestaaten fließen. Den Bauern in den Anbaugebieten bleibt so gut wie nichts. In den Industriestaaten werden die Drogenmilliarden gewaschen und investiert. Es geht hier um eine gigantische Umverteilung. Die Drogenabhängigen beschaffen sich das Geld für Drogen letztlich durch Kleinkriminalität, ziehen es also der großen Masse der Bürger aus der Tasche. Und dann landen die Drogendollars irgendwann und irgendwie in den Taschen der Superreichen.

Man könnte diesen Spuk beenden. Durch Legalisierung der Drogen. Legal hergestellt, wären sie um ein Vielfaches billiger als heute. Extra-Profite, die für Kriminelle und deren Hintermänner interessant wären, könnten nicht mehr realisiert werden. Eine Schattenwirtschaft, die der Weltökonomie in erheblichem Maß schadet, würde zusammenbrechen.

Aus einem Bericht des amerikanischen CATO-Instituts1 geht hervor, dass die Vereinigten Staaten durch ein Ende der Drogenprohibition jährlich 41,3 Milliarden Dollar einsparen würden. Diese Einsparungen stehen allerdings gewaltige Verluste gegenüber, die natürlich die Akteure der illegalen Drogen-Branche zu tragen hätten. Das Spektrum der hier Beschäftigten reicht ja vom Drogenbauern in den Anbauländern bis hin zum Kleinkriminellen auf der Straße – ganz zu schweigen von den mafiösen Absahnern, die den Gewinn über Geldwäsche-Strukturen in die legale Wirtschaft schleusen.

Dies ist ein perverses Dilemma. Die Drogenlegalisierung würde einen illegalen, aber weltweit überaus bedeutenden Wirtschaftszweig eliminieren. Legale Anbieter würden nur einen Bruchteil des Umsatzes generieren, weil der Drogenpreis dann nicht mehr durch die Illegalität in die Höhe getrieben würde. So mancher Arbeitnehmer weiß vielleicht gar nicht, dass sein Arbeitsplatz vom Nachschub an gewaschenem Drogengeld abhängt.

Der Krieg gegen Drogen ist verloren. Er gibt dem Staat jedoch die Möglichkeit, Menschen aus „prekären“ Verhältnissen, die zum problematischen Drogenkonsum neigen und die in unserem Wirtschaftssystem ohnehin nicht gebraucht werden, in Gefängnisse oder „Therapie“-Einrichtungen zu stecken.2 Dies ist einer der wichtigsten Gründe dafür, den „War on Drugs“ weiterzuführen, auch wenn man ihn nicht gewinnen kann.

Doch ein solcher Umgang mit den „Überflüssigen“ ist in einer demokratischen Gesellschaft nicht akzeptabel.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Rational betrachtet, führt kein Weg an der Legalisierung aller Drogen vorbei. Der Krieg gegen Drogen bedeutet eine kontraproduktive Belastung der gesamten Gesellschaft. Es geht hier nicht nur um die finanzielle Seite. Es geht auch um die Verunsicherung der Bürger durch Drogenkriminalität. Es geht auch um vermeidbares Leid bei den Betroffenen. Es geht auch und es geht sogar vor allem darum, die Vernunft staatlichen Handelns in diesem Bereich zu gewährleisten.

Entscheidung zur Sucht

Süchtige sind nicht krank3. Sie haben sich dazu entschieden4, diese Substanzen zu konsumieren – vermutlich, weil ihnen der damit verbundene Lebensstil als der beste unter allen zur Wahl stehenden erschien. Wer sich die Lebensbedingungen und die Lebensgeschichten mancher dieser Leute genauer anschaut, kann diese Entscheidung zumindest nachvollziehen. Sie können sich natürlich auch dagegen entscheiden, diesen Lebensstil fortzusetzen. Sie würden dies vermutlich auch tun, wenn sie bessere Alternativen zu erkennen vermöchten.

Man lasse sich von Brainscans der Gehirne Süchtiger nicht beeindrucken. Diese zeigen allenfalls, dass sich das Gehirn dem süchtigen Lebensstil angepasst hat und nicht, dass es sich hier um eine behandlungsbedürftige Krankheit handelt. Wer beispielsweise Krebs hat, der kann sich nicht dafür entscheiden, mit dem Krebs wieder aufzuhören. Wer aber süchtig ist, der kann sich durchaus dazu durchringen, das Trinken, das Fixen, das Rauchen oder das Koksen einzustellen.

Zahllose „Selbstheiler“ beweisen, dass man dazu noch nicht einmal einen Arzt braucht. Je schlechter es Drogenkonsumenten geht, desto weniger Anlass haben sie, ihren drogenbezogenen Lebensstil aufzugeben.5

Durch die Legalisierung aller Drogen würden sich die Lebensbedingungen vieler Drogengebraucher aber deutlich, wenn nicht dramatisch verbessern. Daher vermute ich, dass die Freigabe – zumindest auf Dauer – nicht zur befürchteten Ausweitung des Drogenkonsums führen würde, sondern zu mehr Bereitschaft zum kontrollierten Konsum oder gar zum Ausstieg aus der Sucht.

Das Spiel

Der marxistische Soziologe und Sozialanthropologe Leo Kofler prägte den Begriff des asketischen Eros.6 Dies ist eine Haltung, in der Lusterfahrungen (Sex, Drogen, Konsum) zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit in technisch-naturwissenschaftlich bestimmten Arbeitsgesellschaften funktionalisiert werden. Gelegentlich Exzesse (Karneval, Fußballturniere etc.) haben eine Ventilfunktion, damit das unterdrückte Dionysische gelegentlich einmal den Überdruck ablassen kann.

In den frühen Gesellschaftsformen der Menschheit, wie sie sich bis ins 20 Jahrhundert beispielsweise bei den afrikanischen Buschleuten erhalten hatten, bildeten das Apollinische und das Dionysische eine dialektische Einheit. In der kapitalistischen Gesellschaft, so Kofler, sei diese ursprüngliche dialektische Einheit zerrissen. Drogenkonsum, Alkoholismus, sexuelle Exzesse, Gewaltexzesse seien die Folge der Zerstörung dieser natürlichen Harmonie des Dionysischen und des Apollinischen.

Wir alle könnten aber noch einen Anflug dieser Einheit erleben, nämlich im Spiel. Das Spiel sei eine Synthese aus Freiheit und Ordnung, Leidenschaft und Vernunft. Es sei daher das Paradigma einer freien und humanen Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft hätte das Leben einen überwiegend spielerischen Charakter – wie bei den Buschleuten oder anderen Ethnien auf dieser Entwicklungsstufe, die nur 40 bis 50 Prozent ihrer wachen Lebenszeit für die Erwirtschaftung ihres Lebensunterhalts aufwenden mussten. Und dies, obwohl sie häufig in einer natürlichen Umgebung lebten, die ihren Gabentisch nicht gerade üppig ausstattete.

Sicher, das ist eine Utopie – eine Utopie freilich, die zu rund 95 Prozent der Zeit, die Homo sapiens auf diesem Planeten bisher zubrachte, durchaus real war. Die Urerinnerung an diese Zeit ist in den archaischen Schichten unseres Unbewussten immer noch lebendig. Sie ist die Quelle des „Unbehagens in der Kultur“, von der Freud sprach.

Nicht den maßvollen, den rituellen, den spielerischen, wohl aber den exzessiven Drogenkonsum kann man als Folge einer fundamental gestörten Harmonie zwischen apollinischen und dionysischen Tendenzen interpretieren.

Der „War on Drugs“ ist in jeder Gesellschaft aussichtslos, die diese Diskrepanz elementarer Kräfte unseres Seelenlebens nicht auf ein erträgliches Maß zu reduzieren vermag.

Fazit

  1. Die Drogenprohibition ist gescheitert. Sie richtet mehr Schaden an, als sie Nutzen stiftet.

  2. Die Drogenprohibition ist ungerecht. Salopp formuliert: Leute dürfen sich zwar volllaufen lassen, bis die Birne platzt, aber wenn einer einen Joint raucht, verstößt er gegen das Gesetz. Dies schadet dem Rechtsbewusstsein und hat damit gravierende Konsequenzen, die sich die meisten Befürworter des Drogenverbots gar nicht klarmachen.

  3. Die Drogenprohibition ist illiberal. Einschränkungen von Freiheitsrechten sind aus freiheitlicher Sicht nur dann legitim, wenn sie zum Schutz der Allgemeinheit erstens notwendig und zweitens auch wirksam sind. Diese beiden Bedingungen erfüllt die Drogenprohibition aber nicht.

  4. Natürlich sind manche der illegalen Drogen überaus gefährlich und eine Überdosierung kann lebensbedrohliche Folgen haben. Dies spricht aber nicht gegen eine Freigabe, sondern für sie. Am gefährlichsten nämlich ist mit Sicherheit der Konsum verschnittener Straßendrogen. Ein deutlich geringeres Gefahrenpotenzial weisen saubere legale Drogen mit ordentlichem Beipackzettel auf (der ansprechend zu gestalten wäre).

  5. Es ist zwar unausweichlich, dass die Legalisierung zu einer Verbilligung des Stoff und damit zu einem Konsumanreiz führen wird; diesem Marktmechanismus kann aber durch eine entsprechende Besteuerung („Sündensteuer“) entgegengewirkt werden.

Insbesondere folgende Gründe sprechen für die Legalisierung aller Drogen:

  • Der illegale Drogenmarkt würde zusammenbrechen.

  • Die Beschaffungskriminalität würde verschwinden.

  • Die durch die Illegalität verursachten problematischen Lebensbedingungen vieler Betroffener würden verbessert.

  • Die Gerichte und der Strafvollzug würden entlastet.

  • Bei der Polizei würden Kräfte zur Bekämpfung anderer Formen der Kriminalität frei.

Dafür müssten (jeweils von unterschiedlichen Interessengruppen) folgende Nachteile in Kauf genommen werden:

  • Ein bedeutender Zweig der Weltwirtschaft würde zusammenbrechen.

  • Dies hätte unabsehbare Folgen auch für die legale Ökonomie.

  • Staaten verlören ein nicht unwesentliches Instrument zur Kontrolle ihres Prekariats.

  • Geheimdienste müssten sich nach anderen Geldquellen zur Finanzierung illegaler Machenschaften umschauen.

  • Terroristen büßten eine zentrale Einnahmequelle ein.

  • Einrichtungen im psychiatrischen Sektor müssten auf einen Teil ihrer Kunden verzichten.

Miron, J. A. & Waldock, K. (2010). The Budgetary Impact of Ending Drug Prohibition. Washington D. C.: Cato Institute

Wenn die Therapien effektiv wären, könnte man über die fragwürdigen Motive hinwegsehen, aber sie sind es nicht. Siehe hierzu das Kapitel „Sucht“ in meinem Buch: Kritisches Lexikon der „psychischen Krankheiten“.

Marc Lewis: Why Addiction is NOT a Brain Disease, PLOS Blogs, November 12, 2012

The Clean Slate Addiction Site: Addition is not a Brain Disease, it is a Choice

Der Glaube daran, dass es einem Süchtigen erst richtig schlecht gehen müsse, bevor er sich zur Umkehr besinne, ist ein trügerischer: Wer völlig zerstört am Boden liegt, hat wenig Grund, für sich ein Leben zu erhoffen, dass sich anders als im Rausch ertragen ließe.

Kofler, L. (1967). Der asketische Eros. Wien, Frankfurt, Zürich: Europa Verlag