Whistleblower

The Mouth of the South

Martha Beall Mitchell war redselig und indiskret; sie liebte es, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen; und sie neigte dem Alkohol zu. Da sie die Frau eines Kabinettsmitglieds war und da sie sich in den Medien zu inszenieren wusste, war ihr das öffentliche Interesse sicher.

Als sie begann, Gerüchte über illegale Machenschaften im Weißen Haus zu verbreiten, versuchten interessierte Kreise, sie zu diskreditieren. Sie wurde als Alkoholikerin verunglimpft, als Spinnerin. Als sie sich ihrem Psychotherapeuten anvertraute, diagnostizierte dieser eine Wahnerkrankung.

Ihr Mann, der Justizminister (Attorny General) unter Nixon war, ließ sich scheiden. Dann kam der Watergate-Skandal ans Licht. Plötzlich erschien Martha Beall Mitchells Aussage, dass es nicht mit rechten Dingen zuginge im Weißen Haus, in einem veränderten Licht.

Die Enthüllungen über den Watergate-Einbruch und seine Hintergründe rehabilitierten die Frau, die zu schrillen Tönen und pompösen Auftritten neigte. Aus der Verrückten, dem „Mouth of the South“ (so genannt wegen ihrer Herkunft aus dem Süden der Vereinigten Staaten), wurde die „Cassandra vom Potomac“.

Präsident Richard Nixon musste zurücktreten, Martha Mitchells Ex-Mann, John N. Mitchell, kam wegen seiner Verstrickungen in die Watergate-Affäre ins Gefängnis.

Martha Mitchell wurde daraufhin zur Namensgeberin eines psychologischen Effekts, des Martha-Mitchell-Effekts. Damit wird eine psychiatrische Fehldiagnose bezeichnet, die darin besteht, einen unglaubwürdigen bzw. schwer überprüfbaren Bericht über tatsächliche Vorgänge als wahnhaft aufzufassen.

Aus Sicht der konstruktivistischen Philosophie, der auch die modernen Neurowissenschaften zuneigen, nimmt der Mensch das Universum nicht so wahr, wie es an sich ist, sondern seine inneren Modelle der Außenwelt sind Konstruktionen seines Gehirns.

„Wissen wird vom lebenden Organismus aufgebaut, um den an und für sich formlosen Fluss des Erlebens soweit wie möglich in wiederholbare Erlebnisse und relativ verlässliche Beziehungen zwischen diesen zu ordnen. Die Möglichkeiten, so eine Ordnung zu konstruieren“, schreibt der konstruktivistische Philosoph Ernst von Glasersfeld, „werden stets durch die vorhergehenden Schritte in der Konstruktion bestimmt. Das heißt, dass die ‚wirkliche‘ Welt sich ausschließlich dort offenbart, wo unsere Konstruktionen scheitern. Da wir das Scheitern aber immer nur in jenen Begriffen beschreiben und erklären können, die wir zum Bau der scheiternden Strukturen verwendet haben, kann es uns niemals ein Bild der Welt vermitteln, die wir für das Scheitern verantwortlich machen könnten (von Glasersfeld 1984).“

Selbst dann also, wenn wir mit unseren Konstruktionen auf den Bauch fallen und aus dieser Erfahrung Lehren ziehen, bleiben wir durch unser Begriffssystem an den Rest unserer „Wahrheiten“ und „Irrtümer“ gebunden.

Die Welt dort draußen ist zwar unabhängig davon, was wir über sie denken – dies zeigt sie uns hin und wieder mit mehr oder weniger katastrophalen Folgen -, aber was wir, angesichts solcher Demonstrationen, auf neuer Grundlage über sie denken, ist nicht unabhängig von dem, was wir bisher über sie gedacht haben.

Kurz: Wir können nicht über unseren Schatten springen.

Und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass manche auch nach dem Sturz Nixons meinten, Martha Mitchell habe zwar in Sachen Watergate weitgehend recht gehabt, meschugge sei sie aber dennoch. Schließlich hatte sie behauptet, sie sei entführt und unter Drogen gesetzt worden, um sie zum Schweigen zu bringen, was sich aber nicht beweisen ließ.

Für die Freunde von Verschwörungstheorien sei hinzugefügt, dass die CIA in ihrem Gehirnwäscheprogramm MKULTRA den Einsatz von Drogen zu diesem Zweck zur Kunstform entwickelt hatte. Und auch andere Geheimdienste, die Polizei, das Militär wissen damit umzugehen (Thamm 1994).

Go to a shrink

In den Vereinigten Staaten, dem Quellgrund der Moderne, ist man auch in Sachen „Whistleblower“ schon viel weiter als bei uns. Was bei uns noch Aufmerksamkeit erregt, gar Empörung hervorruft, nämlich die Pathologisierung von Leuten, die das Maul nicht halten können, ist dort längst Routine.

Hunderte von großen Unternehmen haben Psychiater als Berater auf der Gehaltsliste, deren einzige Aufgabe darin besteht, aufmüpfige Mitarbeiter für verrückt und gefährlich zu erklären (Butts 2003). „If you raise a stink, you go to a shrink!“1, ist in den USA bereits ein geflügeltes Wort. Machst du Theater, musst du zum Psychiater.

Eine beliebte Grundlage für diese Machenschaften sind Programme zur Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz. Wer zu viel weiß und die Klappe nicht halten kann, wird für potenziell gefährlich erklärt. Wenn er sich gegen eine psychiatrische Untersuchung wehrt, wird er entlassen. Wer zu viel weiß und die Klappe hält, wird unter Umständen ebenfalls zum Psychiater geschickt, damit man was gegen ihn in der Hand hat. Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste.

Im Öffentlichen Dienst der Vereinigten Staaten kann dieser Trick aber nicht mehr so einfach angewendet werden wie in der Privatwirtschaft. Dies verdanken die amerikanischen Angestellten im Staatssektor u. a. Don Soeken. 1978 war Soeken Chef-Sozialarbeiter der U.S. Public Health Service Outpatient Clinic in Washington D.C. Dr. Soeken war dort für die zwangsweise psychiatrische Untersuchung von Angestellten zuständig, die am Arbeitsplatz auffällig geworden waren. Er stellte fest, dass die Leute keineswegs als „psychisch krank“ bezeichnet werden konnten, sondern sehr häufig Whistleblower waren. Sie wussten zu viel und konnten die Klappe nicht halten oder standen in Verdacht, dies vielleicht in Zukunft nicht zu können.

Soeken spürte den Druck, der auf ihm lastete. Die Behörden, die ihm diese Leute schickten, erwarteten von ihm, dass er sie für „psychisch krank“ erklärte, damit sie die Störenfriede loswerden konnten. Doch Soeken weigerte sich, dabei mitzuwirken.

Vielmehr wurde er selbst zum Whistleblower. Er wandte sich an Mitglieder des Kongresses und teilte ihnen seine Beobachtungen mit. 1984 beschloss der amerikanische Gesetzgeber, dass Bundesangestellte (mit einigen Ausnahmen) nicht mehr zu psychiatrischen Untersuchungen gezwungen werden durften.

In den 90er Jahren wurde zudem eine Gesetzeslücke geschlossen. Nunmehr durften auch Angestellte der Legislative nicht mehr zwangsweise psychiatrisch diagnostiziert werden. Ausgenommen waren nunmehr nur noch Angestellte im Sicherheitsbereich (FBI, CIA, NSA u. ä.) sowie Leute, die mit toxischen Stoffen umzugehen hatten (Soeken 2014).

Obwohl also die Pathologisierung von Whistleblowers in den Vereinigten Staaten Routine ist, zeigen Vorstoß und Erfolg Soekens doch, dass es in diesem Lande immerhin ein Problembewusstsein gibt. Dies war bisher bei uns in Deutschland nicht der Fall. Es mag sein, es ist zu hoffen, dass der Fall Gustl Mollaths den Anstoß zu nachhaltigem Umdenken gibt.

Hier bin ich allerdings skeptisch. Kaum war der Mann aus dem Maßregelvollzug entlassen, legte sich das öffentliche Interesse bereits schon wieder. Während des Wiederaufnahmeverfahrens flammte es erneut auf. Danach flaute es schnell ab. Sollte ein Buch Mollaths erscheinen oder der Fall verfilmt werden, wird sich, vermutlich in abgeschwächter Form, für eine Weile öffentliches Interesse regen, um eher früher als später abzuklingen.

Das im Dezember 2014 erschienene Buch seines Anwalts Gerhard Strate über das Versagen von Justiz und Psychiatrie2 erzeugte jedenfalls keinen neuerlichen Hype.

Man meditiere über diese Konstellation: Auf der einen Seite steht ein Mensch, der Missstände, der Verstöße gegen Gesetz und Moral anprangert. Auf der anderen Seite finden sich die Angeprangerten sowie Gutachter, die über keine objektiven Methoden der psychiatrischen Begutachtung verfügen, und Richter, die sich auf die Expertisen dieser angeblichen Fachleute verlassen.

Wie kann man da sicher sein, dass unter diesen Bedingungen dem Whistleblower Gerechtigkeit widerfährt? In den USA haben die staatlich geförderten und geforderten Programme zur Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz Tausende von Psychologen und Psychiatern in Arbeit und Brot gebracht. Gerade diesen letzten Gesichtspunkt möge man in die Meditation vorrangig einbeziehen.

Die psychiatrische Daumenschraube

  • Ein wenig wohlwollendes Entgegenkommen gegenüber den eigenen Brötchengebern wird man doch wohl erwarten dürfen? Wer wird denn in die Hände beißen, die einen nähren.
  • Der rechtschaffene Bürger ist ohnehin gut beraten, besser die Klappe zu halten. Man versucht klugerweise nicht, über Dinge mitzureden, in deren Hintergründe man nicht eingeweiht ist.
  • Wer nicht zurücksteckt, wenn man ihm die Instrumente, zum Beispiel die psychiatrische Daumenschraube, zeigt, ist selber schuld, oder etwa nicht?
  • Wenn Korruption und Erpressung die wichtigsten Steuerungsinstrumente der demokratischen Gesellschaft sein sollten, wie spitze Zungen behaupten, dann würden uns Whistleblower mit ihrem schrillen Pfiffen ohnehin nur irritieren und von Kurs abbringen.

So oder ähnlich denken viele Leute, die kein Verständnis für „Querulanten“ haben, die zu viel reden und sich wichtig machen. Es mag sein, dass diese Haltung vor unliebsamen Erfahrungen schützt, die so manchem drohen, der sich nicht nur insgeheim sagt: „Das darf doch nicht sein!“, sondern der die Schändlichkeiten auch ausplaudert, die er nicht länger verleugnen zu können glaubt.

Doch es gibt auch Leute, die sich dennoch trauen, wider den Stachel zu löcken, und siehe da, manche kommen durch. Dr. Don Soeken, einer von ihnen, ist heute ein anerkannter Spezialist für die Probleme von „Nestbeschmutzern“. Da er selbst in einschlägigen Arbeitsfeldern tätig war, weiß er, wovon er spricht.

Über die psychiatrischen Untersuchungen sagt er:

„Der Arzt wird alle Bereiche ausforschen, die eine Person diskreditieren könnten. Er fragt nach frühkindlichen Erfahrungen, stellt sexuelle Fragen, was auch immer er fragen möchte, und dann schreibt er es auf und gibt die Notizen dem Chef oder einer Anwaltskanzlei. Jeder Doktor, der sein Geld wert ist, wird etwas Schlechtes finden oder sogar etwas Schlechtes erfinden, und wenn man seine Fragen nicht beantwortet, dann ist man unkooperativ und kann deswegen ebenso entlassen werden. Was sie versuchen, besteht darin, jemanden für psychisch behindert zu erklären. Wenn ihnen dies gelingt, wird man nie wieder in seinem Leben arbeiten (zitiert in Murphy 2004).“

Was auch immer der Psychiater über den Examinierten zu Papier bringt: Es lässt sich in aller Regel nicht objektiv überprüfen. Man könnte nur ein Gegengutachten einholen, was aber ebenso subjektiv und willkürlich wäre. Was Richtern durch den Kopf geht, die dieses Spiel seit Jahren mitmachen und Urteile auf dieser Grundlage fällen, ist schlicht und ergreifend nicht nachvollziehbar. Die Amtsauffassung, die dahinter steht, spottet jeder Beschreibung.

Zum Fall Mollath sind die Analysen in Gabriele Wolffs Blog zu empfehlen.3 Man sollte sie sehr gründlich lesen. An diesem Beispiel lässt sich sehr klar erkennen, dass die Psychiatrie den Rechtsstaat auszuhebeln vermag und dass sie an die Kandare genommen werden muss.

Das Problem ist nicht auf den Fall Mollath beschränkt und es handelt sich auch nicht um ein deutsches Phänomen. Wir haben es hier mit einem weltweiten Webfehler aller politischer Systeme zu tun, die Demokratien zu sein beanspruchen.

Durch die Psychiatrie wird ein absolutistischer Zug in das gesellschaftliche Leben hineingetragen.

Ludwig XIV. sagte:

„Die Staatshoheit ist die gegenüber den Bürgern und Untertanen höchste und von den Gesetzen gelöste Gewalt.“

Dies trifft teilweise auch heute noch zu, nämlich auf das Verhältnis zwischen einem zwangsweise und stets willkürlich in die Psychiatrie eingekerkerten Menschen und seinen Ärzten. Jährlich werden rund 200.000 Menschen in Deutschland gegen ihren Willen in der Psychiatrie untergebracht. Sie sind dort de facto rechtlos.

Der Fall Mollath zeigt eindrucksvoll, wie leicht man in die geschlossene Psychiatrie kommen kann. Wer einflussreiche Feinde hat, lebt gefährlich. Wer dazu neigt, gelegentlich aus der Reihe zu tanzen, aus der Rolle zu fallen, als berechtigt geltende Erwartungen nicht zu erfüllen, muss sich besonders vorsehen. Ein Ehepartner, der einen loswerden will, kann zum Verhängnis werden. Wer aber zu viel und zu offen über Missstände in seinem oder in einem ihm sonstwie bekannten Unternehmen spricht, steht schon mit einem Bein in der Psychiatrie.

Und zwar weltweit: Eine australische Studie beispielsweise ergab, dass 30 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer mit Whistleblower-Ambitionen von ihren Arbeitgebern zu einer psychiatrischen Untersuchung gezwungen wurden. Im Durchschnitt mussten sie drei verschiedene Psychiater aufsuchen, bis endlich das Gutachten zur Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber ausfiel. 30 Prozent der Betroffenen empfanden die Psychiaterbesuche als hilfreich und 70 Prozent als Besorgnis erregend (Lennane 2012).

Die Psychiatrisierung ist eine ausgezeichnete Methode, um so genannte Nestbeschmutzer zu diskreditieren und kaltzustellen. Wenn man ihnen fachliche Fehler unterstellt, so muss man dies, wenn’s hart auf hart kommt, nachweisen; dumm nur, dass Whistleblowers in aller Regel Angestellte sind, denen man nichts vorwerfen kann. Unterstellt man ihnen, sie hätten sich nicht kollegial verhalten oder den Betriebsfrieden gestört, so braucht man Zeugen, die bereit sind auszusagen. Dumm nur, dass man zwar leicht Leute dazu anstiften kann, missliebige Kollegen zu mobben, schwieriger wird es dann aber schon, jemanden dazu zu bewegen, mit einer Aussage Verantwortung zu übernehmen. Und so ist die Psychiatrie mit Sicherheit die eleganteste Lösung.

Und dies nicht nur, weil man sich dadurch der leidigen Beweisfrage entledigt – schließlich müssen psychiatrische Diagnosen nicht bewiesen werden, es reicht die subjektive Meinung des Diagnostikers – sondern auch, weil der einmal zum psychiatrischen Fall Erklärte kaum eine Möglichkeit hat, durch sein Verhalten das Gegenteil unter Beweis zu stellen. Wenn er all die Symptome, die angeblich für seine „psychische Krankheit“ charakteristisch sind, nicht zeigt, so kann der diagnostizierende Psychiater immer noch behaupten, der Whistleblower dissimuliere diese Symptome nur und dies beweise, wie schwer erkrankt er sei.

Mitunter gelingt es zwar, einen Richter mit einem Gegengutachten zu verunsichern; aber über einem Richter ist der blaue Himmel und dort oben thront der liebe Gott: Was die beiden miteinander zu besprechen haben und was dabei dann herauskommt: Wer kann es wissen?

Für die hohe Politik, die für die Wahrung von Ruhe und Ordnung zuständig ist, könnte kein anderes Procedere willkommener sein. Der psychiatrisch-juristische Komplex ist wie erfunden und geschaffen für die Mächtigen und Reichen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Falls der Whistleblower sehr viel Staub aufzuwirbeln drohte und psychiatrisiert werden musste, treffen sich die Koryphäen aus Wirtschaft, Psychiatrie, Justiz und Politik nach getaner Tat im Wohltätigkeitsclub unter Freunden und lassen die Ereignisse Revue passieren.

So läuft das Spiel. Wenn sich alle Beteiligten perfekt die Bälle zugespielt haben, sind die nicht involvierten Freunde voll des Lobes; und wenn nicht alles so glatt lief, wie es wünschenswert gewesen wäre, dann halten sie sich vornehm zurück und geben den Akteuren Gelegenheit zur Manöverkritik.

Falls sich später unerwünschte Nachwirkungen zeigen sollten (weil sich dem Betroffenen beispielsweise effektive Unterstützer zur Seite stellten), so ist dies in der Regel auch kein großes Problem, denn Clubfreunde fühlen sich zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet. Mitunter hat dann der Whistleblower, ohne dies freilich zu ahnen, einen Anwalt aus dem erlauchten Kreise.

Schattenpolitik

Seitdem sich die moderne Psychiatrie als Herrschaftsinstrument in Form einer medizinischen Spezialdisziplin im 19. Jahrhundert konstituierte, ist sie eine tragende Säule der Schattenpolitik in demokratischen Gesellschaften. Es nimmt daher ja auch nicht wunder, dass ihre Beziehungen zu Geheimdiensten, militärischen Spezialeinheiten und organisierter Wirtschaftskriminalität sowie zu allerlei gesellschaftlichen Organisationen mit dunklen Hinterhöfen stets nichts zu wünschen ließen – aus Sicht der Spitzen dieser Gesellschaften.

Ob es nun galt, in Stahlgewittern traumatisierte Soldaten mit schmerzhafter Elektrizität an die Front zurückzufoltern oder ob es galt, mit Gehirnwäschemethoden willenlose mentale Sklaven für den Kalten Krieg zu dressieren, ob es galt, Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten unschuldiger Menschen zu legitimieren, ob es galt, die Prosperität der Pharmaindustrie zu sichern – stets stand die Psychiatrie Gewehr bei Fuß, um den Leidenden zu helfen, und sei es auch durch Zwang.

Was also kann getan werden, um diesem gemeingefährlichen Unfug Einhalt zu gebieten? Eine Abschaffung der Psychiatrie, so vernünftig sie auch wäre (denn es gibt ja die „Krankheiten“ gar nicht, die diese Disziplin „behandelt“), steht natürlich nicht auf der Tagesordnung, zumal ja viele Leute eine psychiatrische Behandlung wünschen und somit in einer freien Gesellschaft auch ein Recht darauf haben.

Kurzfristig wäre allerdings zu fordern, psychiatrische Diagnosen zu verbieten. Sie haben nämlich keinen Nutzen, fügen den Patienten u. U. aber erheblichen Schaden zu.

Literatur

Butts, D. (2003). How Corporations Hurt Us All. Victoria, B.C.: Trafford

Glasersfeld, E. (1984). Einführung in den radikalen Konstruktivismus, in: Paul Watzlawick (Hrsg.): Die erfundene Wirklichkeit. München: Piper, Seiten 13-38

Lennane, J. (2012). What Happens to Whistleblowers, and Why. Social Medicine, Volume 6, Number 4, May

Murphy, M. P. (2004). The Government. Lincoln, NE: iUniverse

Soeken, D. R. (2014). Don’t Kill the Messenger! How America’s Valiant Whistleblowers Risk Everything in Order to Speak Out Against Waste, Fraud and Abuse in Business and Government. North Charleston, SC: CreateSpace Independent Publishing Platform

Thamm, B. G. (1994). Mehrzweckwaffe Rauschgift. Hilden: Verlag Dt. Polizeiliteratur

Gerhard Strate: Der Fall Mollath

Rosenkrieg und Versagen von Justiz und Psychiatrie sowie weitere einschlägige Artikel