Grenzen psychologischen Wissens

Es ist wahr: Das psychologische Wissen ist fehlerhaft, unvollständig, oft vage und oft viel zu simpel, um der Vielfalt des realen Lebens gerecht zu werden. Und es ist wahr: Die Psycho-Experten, die Psychologen, Psychiater, der Heilpraktiker und sonstigen zur Seelenheilkunde Berufenen sind nur zu oft narzisstisch Gestörte1, die am Helfersyndrom leiden und oft sich selbst nicht helfen können. Ja, es ist wahr: Nicht selten biedern sich die Psycho-Experten geschmeidig und wohlfeil den Mächtigen an und vertreten in erster Linie deren Interessen, dann die eigenen und zuletzt, aber auch nur im günstigsten Fall, die Interessen ihrer Klienten.

Wäre es nicht besser, diese Typen zum Mond zu schießen und andere Wege zum Seelenheil zu suchen?

Ich vergleiche die Situation der Psycho-Experten gern mit den Seefahrern in den Zeiten der großen Entdeckungen. Die Navigationsinstrumente waren unzulänglich, die Seekarten Ausgeburten überhitzter Phantasien und unausgegorener Sehnsüchte. Die Seefahrer waren nicht selten von der Gier nach Gold und Macht zerfressen, waren Piraten, waren skrupellose Seewölfe. Und doch entdeckten sie neue Welten, und doch brachten sie Schätze heim, und doch erweiterten sie das Wissen und die Möglichkeiten der Menschheit.

Der aufmerksame Leser wird sich fragen, ob man meine Skepsis gegenüber dem Wahrheitsgehalt psychologischer Erkenntnis nicht auch auf die Befunde der modernen „Psychotherapie“-Forschung beziehen müsste. Vielleicht trifft es ja gar nicht zu, dass Methoden kaum eine Rolle spielen und dass der „Psychotherapeut“ viel weniger zum Erfolg einer „Psychotherapie“ beiträgt als der Klient oder Patient.

Natürlich muss man auch der „Psychotherapie“-Forschung mit Skepsis begegnen, denn ihre Methoden sind durchaus fragwürdig. Vielleicht liegt sie ja furchtbar schief. Vielleicht! Allein, das macht die Situation nicht besser. Die Ratlosigkeit wird größer, nicht kleiner durch diese allumfassende kritische Einstellung. Sie ist also kein Weg aus der geschilderten Zwangslage.

Dies klingt wie eine psychiatrische Diagnose, ist so aber nicht gemeint. Mit dem Begriff „narzisstisch gestört“ sind hier Menschen gemeint, die andere abwerten, um sich dadurch implizit aufzuwerten; dies ist keine „psychische Krankheit“, sondern ein Charakterfehler.