Weihnachten

Weihnachten ätzt. Ich hasse verordnete Befindlichkeiten. Vor allem, wenn sie in Lärm und Stress eingebettet sind. Vor allem, wenn man sich ihnen nur durch Flucht entziehen kann.

Denke ich an die Christtagsfreude, so fallen mir spontan Priester ein, schwabbelige schwarze Männer, die Kinder sexuell missbrauchen. Ein Kirchenmann sagte, eine Studie habe ergeben, dass Pädophilie unter Priestern nicht häufiger sei als in der Allgemeinbevölkerung. Die Daten stützen eine solche Aussage aber nicht. Sie sind dazu zu dünn. Diese Frage muss offen bleiben. Doch Offenheit, so scheint mir, ist Sache der Kirche nicht.

Denke ich an den Heiligen Abend, dann fallen mir Priester ein, smarte schwarze Männer, die das Geld lieben, mehr als das Gesetz. Priester, die in Grauzonen Geschäfte machen. Dunkle Gestalten, die das Vertrauen missbrauchen, dass die Bevölkerung immer noch in die Kirche setzt.

Ja, der Tannenbaum, der Lichterglanz. Friede auf Erden. Welch fauler Zauber. Frieden bringt uns nicht das Kindlein in der Krippe. Friede wurzelt in Verträglichkeit. Sie ist die Frucht der Vernunft. Es ist vernünftig, verträglich zu sein, sich um gutes Auskommen mit seinen Nachbarn zu bemühen, zu helfen und sich helfen zu lassen.

Der Mensch aber ist ein geistiger Faulpelz. Er ist nicht gern vernünftig. Denken strengt an. Denken ruft mitunter unangenehme Gefühle hervor. Kann Angst machen. Welche Verlockung, wieder wie die Kindlein zu werden, die noch nicht denken können!

Gnadenbringende Weihnachtszeit. Unvernunft ist keine Gnade. Kindlichkeit angesichts ernster geistiger Herausforderungen ist kein Segen, sondern Infantilität, Regression. Nein, ich will niemandem die Weihnachtsfreude vermiesen. Da gibt es nichts zu vermiesen.

Mir stockt der Atem, wenn ich an Weihnachten denke. Weihnachten, so heißt es, sei Ausdruck unserer christlichen Kultur, unserer abendländischen Tradition. Es sei gut, wenn wir uns zumindest einmal im Jahr darauf besönnen. Auch wenn ich kein Christ bin, so möchte ich doch zur Ehrenrettung des Christentums betonen, dass dies in seiner mittelalterlichen Glanzzeit kein turbo-kapitalistisches Weihnachtsgeschäft kannte. Was da heute veranstaltet wird, hätte man in den guten alten Zeiten des Glaubens als Sakrileg empfunden.

Aber zum Glück ist all das halb so schlimm. Es sind ja nur ein paar Tage im Dezember. Da muss man eben die Zähne zusammenbeißen und gute Miene zum bösen Spiel machen. Die Kinder freuen sich auf und über die Geschenke, die Geschäftsleute über volle Kassen. So schlimm ist das alles doch gar nicht. Und arbeitsfreie Feiertage gibt’s dazu.

Weihnachten ätzt dennoch. Es ist und bleibt mir ein Ärgernis. Religionen sind nicht gut, vor allem dann nicht, wenn sie wie Selbstverständlichkeiten massiv den Alltag prägen.

Der Trend ist unaufhaltsam: Schon bald wird die Mehrheit unseres Volks nicht mehr religiös gebunden sein. Wäre es nicht an der Zeit, die Weihnachtsfeiertage umzuwandeln?

Wäre es nicht ein guter erster Schritt in die richtige Richtung, Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umzubenennen. Einmal ehrlich: Was hat denn das gute, alte christliche Weihnachten mit einem Markt zu tun? Doch Spaß beiseite: Wäre das Umtaufen von Weihnachten nicht sogar ein Akt politischer Korrektheit? Schließlich  sind nicht alle unsere Mitbürger Christen.

Weihnachten hat neue Fans bekommen in diesen Tagen. Sogar eigentlich kirchenferne Menschen können sich wieder für unser alten christlich-abendländisches Kulturgut erwärmen. Es gilt, den Sarazenen unseren deutschen Tannenbaum vor die Füße zu pflanzen. Es fehlt nur noch, dass sie die Schließung der Döner-Buden während der Festtage fordern.

So weit ist es also gekommen mit Weihnachten. Das Fest der Besinnung wird zum politischen Zankapfel. Der Umzug beim Sonne-Mond-und-Sterne-Fest musste bereits unter Polizeischutz gestellt werden. Betonpoller auf Weihnachtsmärkten gehören inzwischen schon zur Christtags-Deko. Toll.

Weihnachten ätzt. Wie habe ich früher unter dem Fernsehprogramm während dieser Zeit gelitten, als ich noch Fernsehen schaute! Und dann der Rummel in den Läden. Zum Glück kann man heutzutage ja das Meiste im Internet bestellen und sich liefern lassen.

Weihnachten ätzt. Doch zum Schluss noch ein Trostwort. Es gibt Fortschritt. Immerhin ist in Deutschland nicht mehr die „Mittelstelle für Fest- und Feiergestaltung“ für Weihnachten zuständig.